PEARL

PEARL ★★½☆☆☆
Filmstart: 01.06.2023 | FSK 18
Mia Goth | © Origin Picture Show LLC.



Kanada, USA 2022
Genre: Horror, Psycho
Länge: gut 100 Min.
Regie: Ti West
Buch: Ti West, Mia Goth
Cast: Mia Goth, David Corenswet, Tandi Wright, Matthew Sunderland, Emma Jenkins-Purro u.a.
Kamera: Eliot Rockett
Schnitt: Ti West
Musik: Tyler Bates, Tim Williams

Zur Zeit der Spanischen Grippewelle, der in den USA über 600.000 Menschen zum Opfer fielen (kurz vor Ende des ersten Weltkriegs), lebt und träumt die zarte Pearl auf dem Hof ihrer Eltern inmitten von Tieren, denen sie Namen gegeben hat und die ihre besten Freunde zu sein scheinen. Der Vater sitzt gelähmt im Rollstuhl und kann sich nicht mehr mitteilen, die Mutter ist eine Frau, die Liebe mit unendlicher Strenge verwechselt, hart wie Stein und ohne den kleinsten Rest von Lebensfreude. Logisch, dass Pearl entfliehen will und die große Kinoleinwand als lächelnde Tänzerin erobern, der die Herzen der Menschen entgegenfliegen. Ihr Talent ist leider nicht das größte, dafür reagiert sie ihren Frust umso virtuoser durch ungehemmte Gewalttaten gegenüber Mensch und Tier ab. Da kann eine Heugabel auch schonmal zweckentfremdet werden...

Selten habe ich die Diskrepanz zwischen dem Potenzial eines Films und dem, was er tatsächlich leistet als derart groß empfunden. Es ist doch ein schönes Konzept, in einer ländlichen Idylle, erzählt mit dem Charme des Old Hollywood in Bonbonfarben den Niedergang einer ganzen Familie zu erzählen. Das Budget und das schauspielerische Talent waren offensichtlich verfügbar. Doch wurden die Bausteine nicht gut eingesetzt! Die eigentlich stilgerechte Orchestermusik wird beispielsweise im Übermaß unterlegt und nutzt sich ab einem gewissen Punkt bis ins Beliebige oder gar Nervige ab. Die Schreckenstaten der jungen Frau sind dramaturgisch so platziert, dass wirklich nicht von einem Spannungsbogen gesprochen werden kann: gleich zu Beginn des Films fließt Blut, dann gibt Pearl sich wieder als unschuldige Seele, der echte Enttäuschung widerfahren kann - ein psychologisches Konstrukt, das mich nicht mitnimmt. Und so ruckelt und hakt es an zahllosen Details (Beispiel: wie halte ich die Axt, wenn ich zuschlage? Als Bauerntochter doch sicher nicht kurz unter dem Metall!).

Was anfänglich vielversprechend an die Arbeiten von Alfred Hitchcock erinnert, verläppert sich hier zu einem zähen und sehr vorhersehbaren Horrorstreifen, dem es an Subtilität und suggestiver Kraft mangelt. Verschenkt!

cnm  

Dieser Film ist ausgegeben als Prequel zum Horror-Erfolgshit X (USA, 2022) desselben Regisseurs.

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