NATHALIE - ÜBERWINDUNG DER GRENZEN | KW46

NATHALIE - ÜBERWINDUNG
DER GRENZEN
 
★★★★★
Originaltitel: La Dérive des continents (au sud) | Filmstart: 16.11.2023 | FSK t.b.a.
Isabelle Carré, Théodore Pellerin | © W-Film / Les Films du Losange



Schweiz, Frankreich 2022

Genre: Drama, Politsatire
Länge: 90 Min.
Regie: Lionel Baier
Buch: Lionel Baier, Laurent Larivière
Cast: Isabelle Carré, Théodore Pellerin, Tom Villa, Ursina Lardi, Ivan Georgiev, Adama Diop, Elisabeth Owona, Daphne Scoccia
Kamera: Josée Deshaies
Schnitt: Pauline Gaillard

Italien 2020, kurz vor Beginn der Corona-Pandemie. Der französische Präsident Emmanuel Macron will zusammen mit Angela Merkel ein Geflüchtetenlager auf Sizilien besuchen. Das setzt die Diplomatin Nathalie Adler  gehörig unter Druck, denn sie ist für die Organisation des Treffens Verantwortlich. Nicht nur geht es um einen reibungslosen Ablauf, auch die Bilder müssen stimmen. Denn der Umgang mit den anhaltenden Fluchtbewegungen wirft bisher kein sonderlich gutes Licht auf die Köpfe der beiden mächtigsten Staaten in der Europäischen Union. Zuerst läuft für Nathalie auch alles nach Plan – bis sie überraschend auf ihren Sohn trifft. Der ist für eine NGO als Helfer im Lager unterwegs und ganz und gar nicht gut auf die Arbeitgeber*innen seiner Mutter zu sprechen. Und so muss Nathalie neben ihrem Job noch eine ganz andere diplomatische Aufgabe bewältigen…

Selten hat eine Politsatire so eloquent und temporeich so viele Aspekte des politischen und privaten Lebens parallel verknüpft wie hier. Beiläufig und beißend kommt der Humor daher, der deswegen so gut ist, weil er natürlich mit dem realen Geschehen kongruent läuft. Die mediale Inszenierung der Unterbringung Geflüchteter zwecks gewünschter Reaktionen in Öffentlichkeit und Politik werden köstlich aufs Korn genommen, während der Mutter-Sohn-Konflikt eher ernsthaft ans Eingemachte geht. Über eine größere Strecke des Films schien mir, dass diese Parallelstränge den Film überfrachten, bis letztlich eins ins andere greift und zu einem poetischen, doch gar nicht kitschigen großen Ganzen zusammenläuft und die beiden Erzählebenen einander spiegeln.

Vielschichtige intellektuelle Filmperle, wie es sie nur alle Jubeljahre gibt.

cnm
 

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