AUSSERDEM IM APRIL 2025

 Weitere Filme im April 2025

THE ASSESSMENT | EDEN | VICTORIA MUSS WEG | ANOTHER GERMAN TANK STORY
 
(to be continued)


03. April

THE ASSESSMENT
Drama, SciFi | GB, D, USA 2024 | R.: Fleur Fortuné
D: Alicia Vikander, Elizabeth Olsen, Himesh Patel, Minnie Driver, Nicholas Pinnock
Verleih: capelight pictures | 114 Min. | FSK 16

In nicht allzu ferner Zukunft werden die Leben jedes Einzelnen und besonders von Paaren mit Kinderwunsch strengstens überprüft, damit die Zeugung von Staats wegen zugelassen wird oder eben nicht. Wie im Fall von Mia und Aaryan kommt für einige Zeit eine Prüferin ins Haus, lebt dort und beobachtet die Anwärter, wobei diese sich "möglichst normal" zu verhalten haben - was natürlich absurder Nonsense ist. Welchen spezifischen Prüfungen sie unterzogen werden, erfahren sie im Vorfeld nicht. Die grotesken Situationen, die hierbei entstehen, kann keiner voraussehen. Die Frage ist, wie korrekt die eiskalte Observatorin wirklich vorgeht und vor allem, ob das Paar der Situation nervlich bis zum bitteren Ende gewachsen ist.

Die Prämisse der Story erinnert an die einschlagende Sci-Fi Serie BLACK MIRROR, in welcher auf gruseligste (weil realistische) Art unsere Zukunft vorweggenommen wird. Totale Beobachtung, totale Kontrolle! Dass die Überwachung in vorliegender Geschichte von einem Menschen und nicht von einer KI erfolgt, ist eigentlich schon eine Überraschung. Um nicht zuviel zu verraten, deute ich an, dass die Hergänge in The Assessment zwar streckenweise ganz amüsant und auch ein bisschen gruselig sind, jedoch kaum je über das Erwartbare hinausgehen und letztlich auch nicht sonderlich originell sind, weil sie den Nerv der totalen Überwachung (vor allem zum Showdown hin) eher an der Oberfläche tangieren als in sein Knochenmark vorzudringen und damit echten Horror zu erzeugen.

Vielversprechendes Konstrukt eines durchaus vorstellbaren Zukunftsszenarios trotz hübscher Momente allzu seicht umgesetzt. Schade!



EDEN
Drama, wahre Geschichte | USA, Kanada 2024 | R.: Ron Howard
D: Jude Law, Daniel Brühl, Ana de Armas, Sydney Sweeney, Vanessa Kirby, Felix Kammerer
Verleih: Leonine | 129 Min. | FSK 16

Zwischen zwei Weltkriegen ziehen sich mehrere Paare und Einzelpersonen auf die Galápagos-Insel Floreana zurück, um dort eine neue Existenz aufzubauen. In ihren weltanschaulichen Auffassungen, ihrer Wesensart und Lebenszielen könnten diese Menschen jedoch kaum unterschiedlicher sein. Also kommt es zwangsläufig zu Frontenbildung, falschem Spiel und schrecklichen Eskalationen.

Die (wahre) Geschichte für sich genommen ist selbstverständlich verdammt interessant. Doch ihre Umsetzung lässt schwer zu wünschen übrig. Die Figuren wandern unmotiviert durch das vermeintliche Abenteuer und nudeln ihren Text runter, zur Aufwertung darf sich Jude Law nackt zeigen (für die Zeit und Geschichte viel zu wohlgenährt, was Archivbilder im Nachspann deutlich machen), ab einem gewissen Punkt erinnert die Inszenierung gar an Nachmittags-Soaps. Allein Sydney Sweeney beweist, was hier möglich gewesen wäre: sie sticht heraus mit spielerischer Brillanz und einer Gelassenheit, die dem Film für kurze Momente Größe verleiht. Hinter der ansonsten müden Präsentation verschwindet die Story wie hinter einer Nebelwand.


VICTORIA MUSS WEG
Schwarze Komödie | Norwegen 2024
R.: Gunnbjörg Gunnarsdóttir
D: Ine Marie Wilmann, Leo Ajkic, Morten Svartveit, Agnete Haaland, Mille Sofie Rist Dalhaug, Sverre Thornam u.a. 
Verleih: barnsteiner-film | 85 Min. | FSK 6
/ empfohlen ab 8 Jahren

Victoria, die neue Stiefmutter von Hendrik und Hedvig, ist ein Aas. Mit ihren ungewohnt stikten Regeln, was Ordnung, Sauberkeit und - vor allem - Benehmen angeht, vergällt sie den Kindern allen Spaß und beraubt sie entschieden zu vieler Freiheiten. Da die Kids pragmatisch veranlagt und so gar nicht auf den Kopf gefallen sind, ist ihr Plan schnell geschmiedet: Victoria muss sterben! Bald finden sie den aus dem Balkan immigrierten Auftragskiller Carl, der das erledigen soll. Zwar ist der gar kein Killer und will es auch nicht werden, aber was soll er schon machen gegen den eisernen Wilen der Geschwister und einem Haufen Kohle (gern ausgelegt von der Omi), der ihm aus der existenziellen Patsche helfen könnte.

Köstlich wie selten ist der Kontrast zwischen der glatten, bonbonfarbenen Oberfläche dieser bissigen Komödie, welche in jeder Szene an einen Rafaello-Werbespot erinnert, und der gnadenlosen Kaltblütigkeit der kleinen und stets nett frisierten Musterkinder. Sämtliche Charaktere könnten Prototypen eines modernen Märchens sein: verklemmt und verfressen und durchtrieben und verbissen und willenlos und versoffen etc. - wie gesagt: köstlich! - Meinem Amusement kamen leider andere Aspekte in die Quere: die Dialoge sind unnötig in die Länge gezogen, oft scheint die Handlung auf der Stelle zu treten (ergo: die Story hätte mehr Futter gebraucht). Des Weiteren schien mir die Tonart der Inszenierung zu erwachsen für Kinder (FSK 6, empfohlen ab 8) und zu naiv für Erwachsene. Mit dieser Unschärfe würde ich Victoria muss weg nur bedingt fürs Kino, besser aber fürs Home Entertainment empfehlen.

                                10. April


ANOTHER GERMAN TANK STORY
Dramödie | Deutschland 2024
R.: Jannis Alexander Kiefer
D: Meike Droste, Monika Lennartz, Johannes Scheidweiler, Roland Bonjour, Alexander Schuster, Gisa Flake, Bärbel Schwarz, Patrick von Blume u.a.
Kamera: Adam Graf
Verleih: Filmperlen | 95 Min. | FSK 0
Prädikat besonders wertvoll

Das brandenburgische Kaff Wiesenwalde wird aufgemischt, als eine amerikanische Crew dort eine Serie über den Zweiten Weltkrieg dreht. Bürgermeisterin Susanne wittert die Chance, ihre Heimat für Touristen attraktiv zu machen. Der lethargische Sohn Tobi wird als Fahrer für die Filmcrew engagiert - dass er eigentlich durch die Führerscheinprüfung gerasselt ist, behält er lieber für sich. Unerwartet taucht Bert auf, Susannes Ex, der sich als Möchtegern-Journalist entpuppt und an die Versen eines Lichtdoubles heftet (den er mit einem Star verwechselt). Währenddessen plant die Dorfälteste Rosi im Verborgenen die Beerdigung alter Ideale - und ihre eigene noch mit dazu. Der blutjunge Nachbar Wolffi träumt ganz naiv davon träumt davon, von Hollywood entdeckt zu werden, während er in der stets marginal besuchten Kneipe aushilft. Zu allem Unglück fällt auch noch der Strom aus; Improvisation ist angesagt! Oder Warten auf ein Wunder...

Die Trostlosigkeit des Kaffs und seiner Menschen fängt Kameramann Adam Graf in Bildern von erhabener Melancholie ein. Diese ergeben mit der den ganzen Film untermalenden barocken Musik (Thelemann) beste Voraussetzungen für einen köstlichen Mikrokosmos kollektiven Untergangs. - Leider macht J.A. Kiefer aus diesen Möglichkeiten nicht viel. Seine Figuren sind zu vage geführt, bleiben dadurch skizzenhaft, die Dialoge kommen steif, der Schnitt unangenehm zäh (Dialoge weisen entschieden zu viele Pausen auf), die einzelnen Geschichten verankern sich nicht, laufen parallel, bleiben an der Oberfläche, sind in vielen Details allzu unglaubwürdig. 

Es schmerzt, wenn so viel gutes Potenzial so wenig ausgeschöpft wird.

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