SCHNEEWITTCHEN

SCHNEEWITTCHEN ★★★★★
Originaltitel: Disney's Snow White | Start: 20.03.2025 | FSK 0
Rachel Zegler | © Walt Disney Germany



USA 2024

Genre: Märchen, Musical, Kinder, Familie
Länge: 108 Min.
Regie: Marc Webb
Buch: Erin Cressida Wilson
Nach den Gebrüdern Grimm
Casting: Bernard Tesley, Tiffany Little Canfield
Cast: Rachel Zegler, Gal Gadot, Andrew Burnap u.v.m.
Kamera: Mandy Walker
Licht: David Smith
Schnitt: Mark Sanger, Sarah Broshar
Musik: Jeff Morrow, Frank Churchill

Der erste animierte abendfüllende Film aus dem Hause Disney im Jahr 1937 erzählte das Märchen von Schneewittchen und den sieben Zwergen und begann damit eine endlose Reihe aus Animationsfilmen für Generationen. Jetzt, 88 Jahre später, kommt das Spektakel in völlig neuer Form - als Hybrid aus Real- und Animationsfilm - zurück auf die Leinwand.

Zur Story: Schneewittchen hat viel Pech im Leben: erst stirbt ihre Mutter, die Königin, dann heiratet ihr Vater eine schöne Frau, die sich als Bitch herausstellt und - im Prinzip grundlos - neidisch auf die Schönheit der Stieftochter ist. So sehr, dass der Jäger sie im Wald beseitigen soll. Der verschont das arme Kind aber, und so landet es bei den sieben Zwergen im Wald. Eigentlich kann sie dort glücklich leben, doch die Stiefmutter (ihres Zeichens eine veritable Hexe) findet über den Zauberspiegel heraus, dass Schneewittchen immer noch lebt. Ein vergifteter Apfel, den sie ihr, getarnt als altes hässliches Weib, reicht, versetzt sie nach dem ersten Bissen in einen dem Tod ähnlichen Schlaf, der nur durch den Kuss der Liebe aufgehoben werden kann.

Das aktuelleWerk hat seine Stärken und Schwächen. Optisch steckt enormer Aufwand darin, der sich wirklich auszahlt: wir erleben eine Märchenwelt, wie man sie sich nur erträumen kann. Diese beginnt m.E. aber erst im Wald. Davor neigt der Film zum Plärren, zu schriller, pompöser Komparserie v Aura, selbst Mutter und Vater wirken wie Platzhalter. Egal, die eigentliche Geschichte geht ja sowieso mit den Zwergen los. Und die haben es in sich. Machen Sie sich auf was gefasst: offenbar einer neuen Technik geschuldet, ist man sich bei ihnen nicht sicher, ob man animierte Wesen oder agierende Schauspieler sieht: es ist beides. Das wirkt zunächst ganz schön gruselig, doch wenn man sich daran gewöhnt hat, bekommen die Zwerge einen ganz eigenen Charme. Ein Hingucker sind sie in jedem Fall.

Die vielen niedlichen Tierchen drumherum (Reh, Hase, Igel etc.) wandern auf dem schmalen Grat zwischen gar zu drollig und maßlos überkitscht. Gegeizt wurde hier jedenfalls nicht. Über jeden Zweifel erhaben ist in jedem Fall die Lichtsetzung: die gehört hier zu den stillen Stars, denn sie ist in der Tat so magisch, als käme sie aus einer völlig anderen Zeit, quasi aus einem Paralleluniversum.

Wenn die böse Stiefmutter sich verwandelt und als finstere Alte zum Schneewittchen wandelt, empfehle ich, Ihre Kleinsten gut im Auge zu behalten. Denn da wird's wirklich schaurig. Und es wundert darob mich ein wenig, dass der Film tatsächlich ab 0 Jahren freigegeben wurde.

Meine letzte Bemerkung hat Spoiler-Charakter, also bitte hören Sie hier auf zu lesen, falls Sie eine kleine aber feine Schlusspointe unvorbereitet erleben möchten. Wenn das Mädchen final vor dem Schloss steht und die Königin/Hexe mächtig vor ihr aufragt mit all ihren bewaffneten Soldaten zur Seite, zeigt sich die Lösung des Problems so einfach wie genial: Schneewittchen nutzt die Macht des einfachen Wortes, die Macht der Empathie, um sämtliche Streiter auf ihre Seite zu holen. Sie erinnert die Soldaten daran, wer sie einmal waren, und dass es ein Leben ohne Speere und Schilde gab. - Das ist der Coup der Produktion, der mich vollends für den Film eingenommen hat.

Mit einigen Abstrichen ist Disney's Schneewittchen ganz sicher ein herausragendes Erlebnis, und das nicht allein für die Kleinsten. - HiHo!

cnm 

Nachtrag

Nach dem öffentlichen Meinungsbild scheint es nahezu verboten, diesen Film - der sich während seiner Entstehung und auch bei der Präsentation zerrieben hat zwischen einander diametral gegenüberstehenden Anforderungen nach Wokeness und beißender Kritik an der Besetzungspolitik - zu mögen. Ich gestatte mir, dies außen vor zu lassen. Was soll aus einer sich permanent streitenden Gesellschaft werden, die keinerlei Kompromiss mehr kennt? Sie wird atomisiert und erstickt kollektiv in Groll.

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