DIE STIMME VON HIND RAJAB
DIE STIMME VON HIND RAJAB
Originaltitel: Sawt Hind Rajab | Start: 22.01.2026 | FSK 12
Tunesien, Frankreich 2025
Genre: Drama, DokufiktionLänge: 98 Min.
Regie: Kaouther Ben Hania
Buch: Kaouther Ben Hania
Buch: Kaouther Ben Hania
Cast: Saja Kilani, Motaz Malhees, Amer Hiehel, Clara Khoury
Kamera: Juan Sarmiento G.
Schnitt: Qutaiba Barhamji, Maxime Mathis, Kaouther Ben Hania
Musik: Amine Bouhafa
Kamera: Juan Sarmiento G.
Schnitt: Qutaiba Barhamji, Maxime Mathis, Kaouther Ben Hania
Musik: Amine Bouhafa
Es ist der 29. Januar 2024. In der Zentrale der palästinensischen Hilfsorganisation Roter Halbmond in Gaza geht ein Notruf ein: eine junge Frau fleht darum, aus ihrem unter Beschuss stehenden Auto gerettet zu werden, dann verstummt sie. Das Team bleibt am Apparat, und einige Zeit später stellt sich heraus, dass ein kleines Mädchen – Hind Rajab – noch lebt und völlig verzweifelt ist. Das Team setzt alles daran, ein Rettungsfahrzeug zum Ort des Geschehens zu lenken, doch gibt es strikte Vorschriften für solche Fälle. Es wird ein für alle zermürbendes Spiel auf Zeit.
Die Regisseurin ist stilistisch ein Wagnis eingegangen: sie hat die Originaltonaufnahmen des Mädchens mit nachgespielten Szenen im Büro des Rettungsdienstes kombiniert und somit diese entsetzlichen 70 Minuten nachgestellt. Ihr Ansinnen dabei war, Geschichte nicht abstrakt oder intellektuell, sondern emotional abrufbar zu machen und den Geschehnissen somit eine Art Denkmal und Würdigung zu schaffen. Und ja, die Wirkung ist hoch emotional: neben der tiefen Trauer kam in mir eine ungemeine Wut hoch über die endlosen, quälend verzögernden bürokratischen und diplomatischen Prozesse, derer es hier bedurfte, um auch die Leben der Rettungskräfte bestmöglich zu schützen. Damit ist diese Arbeit zugleich Erinnerung als auch Antikriegsfilm. – Die hierzu produzierten Bilder aus den Räumen von Roter Halbmond sind zwar gestellt, doch permanent begleitet von persönlicher Betroffenheit und tiefer Ehrfurcht von Cast und Crew,
Es beschlichen mich Bedenken, ob ein solches formales Vorgehen nicht auch eine Form der Ausbeutung einer persönlichen, tragischen Notlage eines Kindes sein könnte, doch die Familie des Mädchens hatte vor Produktionsbeginn ihre volle Unterstützung zugesagt, ohne die die Regisseurin das Projekt erst gar nicht gestartet hätte.
Die Stimme von Hind Rajab gräbt sich, einmal gehört, in unser Gedächtnis und lässt uns verstummen. Die Stille nach dem, was hier geschah, ist letztlich so laut wie Maschinengewehre und Bomben.
cnm
Diese Arbeit erhielt massenhaft Ehrungen, darunter den Silbernen Löwen (Jury Preis) in Venedig, den UNICEF Award, den Gold Hugo "Bester Film" in Chicago und den Grand Prix "Bester Film" in Gent.

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