EXTRAWURST

EXTRAWURST ★★★★★
Start: 15.01.2026 | FSK 12
Fahri Yardım, Christoph Maria Herbst | © Studiocanal GmbH / Daniel Gottschalk


Deutschland 2025
Genre: Komödie
Länge: 98 Min.
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Buch: Dietmar Jacobs, Moritz Netenjakob
nach dem von selbigen verfassten Theaterstück
Casting: Franziska Aigner
Cast: Hape Kerkeling, Fahri Yardım, Christoph Maria Herbst, Anja Knauer, Friedrich Mücke, Gaby Dohm, Milan Peschel, Katrin Röver, Patrick Joswig, Marlene Markt, Andreas Windhuis, Malene Becker, Stefano Zarrella
Kamera: Daniel Gottschalk
Schnitt: Andrea Mertens
Musik: Gerd Baumann

Der Tennisverein von Lengenheide ist das pure Idyll: alle verstehen sich wunderbar miteinander, und der langjährige Vorsitzende, Heribert, waltet sanftmütig über die Mitglieder wie ein Priester über seine Schäfchen. Eine Mitgliederversammlung verläuft dann auch wie gehabt einvernehmlich, es soll lediglich ein neuer Grill für die bevorstehende Vereinsfeier angeschafft werden. Gerade wollen alle nach Hause aufbrechen, da erhebt Melanie ihre Stimme mit der kleinen, aber tückischen Frage, ob nicht vielleicht ein zweiter Grill angeschafft werden sollte für ihren Doppel-Partner Erol, das einzige muslimische Mitglied im Verein, damit der seine Bratwürste nicht zum Schweinefleisch legen muss (was sein Glaube verbietet).

Obwohl der Angesprochene abwinkt und meint, es gebe kein Problem, er komme schon klar, erwächst aus dieser einen Frage eine emotional aufgeladene Debatte, bei der ein Dominostein noch einen und noch einen zum Umkippen bringt, bis das Chaos perfekt ist und quasi alle gemeinsam in einer argumentativen Sackgasse landen. Können Atheisten und Gläubige, Deutsche und Türken, Gutmenschen und Hardliner überhaupt noch einen gemeinsamen Nenner finden?

Basierend auf einem Theaterstück vom Autoren-Duo Jacobs und Netenjakob gelingt mit dieser Inszenierung tatsächlich eine köstliche, beißende Satire auf das, was in unserem Land schon so lange schief läuft, nämlich der unbedingte Wille zur Korrektheit neben dem unbedingten Wunsch, im Recht zu sein. In Kompromissen denkt da kaum noch wer, und wie sich alle in ihren eigenen Widersprüchen, in ihrer Bigotterie und Halsstarrigkeit verrennen, ist das pure Vergnügen.

Die Dialoge sind hervorragend gearbeitet und in Szene gesetzt, der Cast annähernd auf den Punkt gelungen (Kerkeling als schnell gekränkter Herr Oberschlau mit Ischias stellt natürlich das Sahnehäubchen dar), das ganze Konstrukt so pfiffig und lebendig umgesetzt, dass der Film kein bisschen nach Theater aussieht. – Lediglich am Ende wird hier noch ein unnötiges Chaos draufgesetzt, das es im Stück so wohl nicht gegeben hat und das eher wie ein Notbehelf aussieht, dem Ganzen aber auch nicht wirklich schadet.

Mit Extrawurst gelingt eine so pointierte wie entlarvende Satire auf die endlosen Diskussionen in Deutschland um Veganismus, Feminismus, Religionen, vermeintliche Integration bzw. Assimilation und so weiter... Sie amüsiert so sehr, wie sie schmerzt – und das ist auch gut so.

cnm 

info zum Cast: Der Name Yardım hat keinen i-Punkt. Dieser Buchstabe spricht sich flach, wie das e in Vase.

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