LA GRACIA
LA GRACIA ★★★★★☆
Start: 19.03.2026 | FSK 12
Start: 19.03.2026 | FSK 12
Italien 2025
Genre: Drama, ElegieLänge: 131 Min.
Format: 2,39:1
Regie: Paolo Sorrentino
Buch: Paolo Sorrentino
Casting: Anna Maria Sambucco U.I.C.D., Massimo Appolloni U.I.C.D.
Buch: Paolo Sorrentino
Casting: Anna Maria Sambucco U.I.C.D., Massimo Appolloni U.I.C.D.
Cast: Toni Servillo, Anna Ferzetti, Orlando Cinque, Massimo Venturiello, Milvia Marigliano, Giuseppe Gaiani, Giovanna Guida, Alessia Giuliani, Roberto Zibetti, Vasco Mirandola, Linda Messerklinger u.a.
Kamera: Daria D'Antonio
Schnitt: Cristiano Travaglioli A.M.C.
Musik: Nick Donnelli, Gabo Barranco, diverse
Kamera: Daria D'Antonio
Schnitt: Cristiano Travaglioli A.M.C.
Musik: Nick Donnelli, Gabo Barranco, diverse
Der italienische Präsident Mariano de Santis geht dem Ende seiner Amtszeit entgegen. Er ist matt, müde, nachdenklich. Es ist lange her, dass sich das Leben leicht angefühlt hat. – Seine Tochter Dorotea, die ihm immer zur Seite stand, bedrängt ihn, er solle endlich den Erlass zur Sterbehilfe als letzten Akt der Vernunft unterzeichnen. Er – Jurist mit Haut und Haar – erbittet sich mehr Bedenkzeit. Das gilt auch für Elvis, das Pferd im Stall, das langsam und schmerzvoll verendet: erst wenn der Präsident zustimmt, darf es erlöst werden. Er zögert. Und noch weitere Entscheidungen stehen für den einsamen Mann, der seine verstorbene Ehefrau jeden Tag bitterlich vermisst, an. Zwei verurteilte Mörder (m, w) sollen aus sehr unterschiedlichen Gründen begnadigt werden. Auch hier: Zögern! Was de Santis von jedweder Entscheidung abzuhalten scheint, ist ein ungeklärtes Detail in seiner eigenen Biografie. Seine Frau betrog ihn vor 40 Jahren, und bis heute weiß er nicht, mit wem. – Nun stellt sich die Frage, ob all die Gespräche, die er mit den ihn Umgebenden (einschließlich des Papstes) führt, ihn zu mehr innerer Klarheit bringen können. Die Tochter fragt: "Wem gehören unsere Tage?" Eine verdammt heikle Frage, wenn es um Sterbehilfe geht...
Sorrentinos neueste Arbeit ist an Eleganz und Tiefe kaum zu übertreffen, bringt schon literarische Qualitäten mit. Dank seines großartigen Ensembles (Toni Servillo spielt meisterlich!) gelingt die cineastische Magie von Bild (unendlich schön) über Schnitt (intuitiv) bis zur Vertonung (ein interessanter Mix aus klassischer und elektronischer Musik) vorzüglich! Die Langsamkeit der Inszenierung ist vielmehr majestätisch; das Thema, nämlich die Innenschau der Hauptfigur und der Konfrontation mit ethischen Ambivalenzen erfordert schlichtweg dieses Tempo. Ähnlich wie der musikalische Mix stellen auch die Dialoge eine spannende Kombination aus diplomatischem Tasten und schockierender Ehrlichkeit dar. – Der Regisseur selbst sagt, dies sei ein Film über die Liebe, und das ist kein Widerspruch. Zwar wirkt hier auf den ersten Blick alles sehr steif und gezwungen, doch letztlich tragen die Akteure ja enorme Verantwortung und dürfen weder ihre Contenance verlieren noch die gebotene Eleganz des Umgangs über Bord werfen. Dahinter verbirgt sich die Liebe zum Menschen, zum Recht, zur Verantwortung.
Die Gnade des Zweifels, die Gnade des Loslassens, die Gnade der Liebe... Sorrentinos Erzählung hierüber ist so beglückend zärtlich und so klug und hinterlässt bei mir einem besonders wichtigen Gedanken: Ich sollte mal wieder atmen.
cnm

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