AMERICAN SWEATSHOP

AMERICAN SWEATSHOP ★★★☆☆☆
Originaltitel: | Start: 30.04.2026 | FSK 16
Lili Reinhart | © Plaion Pictures



USA, Deutschland 2025
Genre: Thriller
Länge: 100 Min.
Regie: Uta Briesewitz (Debüt)
Buch: Matthew Nemeth
Casting: Kelly Knox
Cast: Lili Reinhart, Daniela Melchior, Christiane Paul, Jeremy Ang Jones, Josh Whitehouse u.a.
Kamera: Jörg Widmer
Schnitt: Philipp Thomas
Musik: Michael Andrews

Daisy arbeitet als Content-Cleanerin: mit etlichen anderen Millenials sitzt sie tagtäglich in einem Großraumbüro vor einem Rechner, um problematische Videos im Netz anzuschauen und ggf. zu löschen. Sie muss nach bestimmten Vorgaben entscheiden, welche Gewalttat, welcher gefilmte Unfall, welche Hassrede, welche Symbolik nicht im Netz kursieren darf – und die Auflagen sind streng. Die ständige Konfrontation mit den Abgründen des Internets lässt die 25jährige zunehmend abstumpfen. Bis sie auf ein besonders verstörendes Video stößt, das sie nicht mehr loslässt. Daisy beschließt, die Macher des Videos zur Verantwortung zu ziehen, doch weder ihre Chefin noch die Polizei nehmen sie ernst. Also begibt sie sich selbst auf die Suche nach den Tätern und gerät dabei mehr und mehr selbst in deren Visier.

Bemerkenswert: die Mitarbeitenden sind zur Diskretion wie auch zur Contenance aufgefordert. Einer von ihnen rastet regelmäßig aus und schreit wüste Mordgelüste quer durchs Büro, auch wird gewettet, wer von den Mitarbeitenden als nächstes einen Schwächeanfall erlebt: normale Reaktionen auf das Unzumutbare.

Mit ihrem Spielfilmdebüt begibt sich Regisseurin Uta Briesewitz in dunkle Abgründe, in die sich das Kino vergleichsweise selten vorwagt und konfrontiert sie mit "denen da oben", den Unschuldigen und den KonsumentInnen – also auch mit uns! Atmosphärisch und cineastisch ist ihr das gut gelungen: die Protagonistin kämpft heldenhaft gegen die Mauern der Bürokratie, geht enorme Risiken ein, riskiert Job und Leben. Ein sauberer Thriller, der u.U. sogar eine Fortsetzung verdient hätte! 

Was mich jedoch beschäftigt, ist die Formfrage. Immerhin geht es hier um die mediale Ausbeutung von Grausamkeiten und Folter, und da springt dieser Film in seiner professionellen, mit Spannungsmusik unterlegten Machart ins gleiche Becken! Mir fehlt also eine klare Distanzierung von oder eine Aufdeckung des Zuschauer-Voyeurismus, wie sie etwa in Michael Hanekes Funny Games (1997) gelang. Wenn ein solcher Thriller mit den herkömmlichen Mitteln realisiert ist, können wir uns leichter zurücklehnen und distanzieren, ihn als Unterhaltung einstufen – und damit verspielt er leider Wirkung und Relevanz.

Solide gemachter Thriller zu einem spannenden Thema, der bedauerlicherweise weder den eigenen noch unseren Voyeurismus überführt; vielmehr bedient er sie.

cnm 

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