BABYSTAR
BABYSTAR ★★★★☆☆
Start: 23.04.2026 | FSK 12
Deutschland 2025
Genre: DramaLänge: 98 Min.
Regie: Joscha Bongard
Buch: Nicole Rüthers, Joscha Bongard
Cast: Maja Bons, Bea Brocks, Liliom Lewald
Buch: Nicole Rüthers, Joscha Bongard
Cast: Maja Bons, Bea Brocks, Liliom Lewald
Kamera: Jakob Sinsel
Schnitt: Emma Holzapfel, Wolfgang Purkhauser
Musik: Jonas Vogler
Schnitt: Emma Holzapfel, Wolfgang Purkhauser
Musik: Jonas Vogler
Luca (16) und ihre Eltern, Stella und Chris, leben ein Leben neben der Wirklichkeit: sie sind hauptberuflich Influencer. Mit drei Millionen Followern bringt ihr account "our_bright_life" jede Menge Geld, Status, Komfort. Ein solcher Erfolg fällt einem allerdings nicht in den Schoß; die Mutter hört nicht auf zu betonen, dass sie ja mit nichts angefangen habe. Und der Status muss mit viel Disziplin aufrecht gehalten werden: Contenance in der Öffentlichkeit, das perfekte Äußere wahren, sich für die vielen Produkte, die einem angedient werden, vor der Kamera ins Zeug legen... letztlich ist die Fassade ab einem bestimmten Punkt zum Inhalt, zur Persönlichkeit geworden, und das Konstrukt wird so lange halten, bis sich der Riss der Erkenntnis einstellt.
Als die Mutter ankündigt, Nachwuchs sei geplant, als Luca erkennt, dass dieser Plan alternativlos ist, weil die Familie interessant bleiben muss und nachdem sie erkennt, dass die zweite Geige keine Geige ist, sondern eine Verdammung in die Bedeutungslosigkeit, ist der Riss da, und er ist groß, ja er droht Luca als Person, als Existenz zu zerbröseln. Eine Zeit lang gelingt es der Heranwachsenden noch, ihre Fassade aufrecht zu halten...
Joscha Bongard ist hier eine Art Gesellschaftsporträt gelungen, das in seiner Zuspitzung seltsam albtraumhaft und real zugleich wirkt. Wer kennt sie nicht, die Sehnsucht nach Bedeutung? Die vielen posts, die likes, mein eigener kleiner Kino-Blog... das Hoffen darauf, wahrgenommen zu werden. Hier wird die mediale Öffentlichkeit zum allumfassenden Identifikationsstifter, der die Protagonisten längst in ihrer Menschlichkeit vernichtet hat; alles Liebenswerte ist Schau, der Blick aufs Konto hingegen echt. Unterlegt mit unheimlichen Gesängen, geriert sich diese Geschichte als allzu wahrer Horror. In seinen besten Momenten erinnert diese güldene Finsternis auf brutal zurückgenommene Art an Meister wie Lanthimos oder Seidl. Hier werden menschliche Abgründe in Zeitlupe seziert: das ist nichts für schwache Nerven, weil wir uns an dieser Erzählung selbst zu messen haben: sind wir eigentlich noch echt?!
Eine Influencer-Existenz als letzter Abgrund allen Seins, ein Black Mirror für so viele von uns: diesem Film musst du gewachsen sein.
cnm

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