FRIENDLY FIRE – ERICH FRIED

FRIENDLY FIRE – ERICH FRIED
Originaltitel: Friendly Fire | Start: 30.04.2026 | FSK 12
Klaus Fried | © Film Kino Text



Deutschland, Österreich 2025
Genre: Dokumentarfilm, Porträt
Länge: 113 Min.
Regie: Klaus Fried
Realisation: Julia Albrecht
Buch: Klaus Fried
Mit: Klaus Fried, Erich Fried, Astrid Proll, David Fried, Petra Fried, Kathy Fried, Tom Fried
Kamera: Ralf Ilgenfritz, Matthias Kreitschmann, René Jung
Schnitt: Julia Albrecht
Sounddesign: Julia Albrecht

Erich Fried, deutscher Nachkriegslyriker politischer Dimension von Rang, geboren 1921 in Wien, geflohen vor den Nazis nach England, gestorben 1988 in Deutschland, gehört zu den relevanten Stimmen des vorigen Jahrhunderts und wird bis heute viel gelesen. Sein Sohn Klaus war gerade 19 Jahre alt, als der Vater starb. Und so spürt Klaus heute, als Filmemacher, dem Vater, der ihm zu unscharf im Gedächtnis blieb, mittels Gesprächen, Ortsbesichtigungen und Dokumenten (Schrift, Film, Ton) nach.

Julia Albrecht verantwortet die Realisation, und das bedeutet für mich in diesem speziellen Falle vorrangig den Schnitt. Der ist nämlich bemerkenswert komplex, assoziativ, ich möchte fast sagen wüst. Der Film gleicht, während die Kamera meist nach an Sohn Klaus bleibt, einem sehr unruhigen Mäandern, einem wirren Suchen (und das liegt wiederum mehr an der Schnittstruktur denn am Wesen des Regisseurs) und wird dadurch (für mich) schwer nachverfolgbar. Die Mixtur aus persönlichen Anekdoten und zeitgeschichtlichen Eckdaten wie Terroranschlägen, der 68-er Bewegung oder dem Vietnamkrieg mit sehr persönlichen Erinnerungen erinnert mich daran, dass alles Politische privat ist und alles Private politisch.

Für mich besonders wertvoll sind die Tonaufnahmen von Erich Fried selbst, wenn er seine Texte vorliest, nüchtern und trocken, fatalistisch-melancholisch – ähnlich einer Ingeborg Bachmann. Wir lernen einen Mann mit unorthodox linken Ideen kennen, einen, der an den Dialog um jeden Preis glaubte (er hatte intensiven, fast freundschaftlichen Briefkontakt zum Neonazi Kühnen (was auch immer das gebracht haben mag). Er verfocht die Idee, dass Demokratie aufhört, wenn der Dialog endet.

Vor allem dieser Aspekt macht den Film brandaktuell, da wir heute wieder und mehr denn je aufgefordert sind, uns gegenüber der massiv erstarkenden Rechten zu positionieren. Und da kann ich nicht anders, als mich gegen das Credo des Verstorbenen zu stellen: ein Dialog mit der AfD führt nirgendwo anders hin als in den Abgrund der Unmenschlichkeit. Vielmehr ist mir vollkommen unverständlich, dass die heutige Regierung ein Verbotsverfahren dieser Partei nicht vehementer vorantreibt und stattdessen die Bedingungen für deren Auftrieb (soziale Unzufriedenheit, Einkommensschere, Vernachlässigung der Schwächsten) effektiv auf die Spitze treibt. 

Geschichte wiederholt sich – gut, dass Erich Fried das nicht miterleben muss.

cnm 

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