ROMERÍA – DAS TAGEBUCH MEINER MUTTER

ROMERÍA – DAS TAGEBUCH MEINER MUTTER ★★★★★
Originaltitel: Romería | Start: 02.04.2026 | FSK 16
Llúcia Garcia | © Piffl Medien







Spanien, Deutschland 2025
Genre: Spielfilm, Drama
Länge: 114 Min.
Regie: Carla Simón
Buch: Carla Simón
Casting: María Rodrigo, Irene Roqué
Cast: Llúcia Garcia, Mitch, Tristán Ulloa, Miryam Gallego, Alberto Gracia, Janet Novás, José Ángel Egido, Marina Troncoso, Sara Casasnovas, Celine Tyll
Kamera: Hélène Louvart
Schnitt: Sergio Jiménez, Ana Pfaff
Musik: Ernest Pipó

Eine bürokratische Notwendigkeit gibt den Anlass und ist Auslöser für eine Selbstfindung: Die 18jährige Marina braucht für ihr Stipendium an einer Filmhochschule die Sterbeurkunde ihres Vaters – schon früh verstarben ihre beiden Eltern an Aids, und Marina wuchs bei der Familie ihrer Mutter auf. Doch nun muss sie muss feststellen, dass das Dokument den Vater als kinderlos angibt. Um den Fehler zu korrigieren, reist sie nach Vigo an die galicische Atlantikküste für eine Unterschrift ihrer Großeltern – und trifft dort den anderen Teil ihrer Familie, bestehend aus Onkeln, Tanten, Nichten, Neffen und deren Anhängen: ein lebendiger, fröhlicher Haufen, der sie herzlich willkommen heißt.
Doch während der gemeinsamen Zeit tun sich Geschichten, Erinnerungen, alte Zerwürfnisse und verdrängte Schuld auf. Alles unter der Oberfläche, kaum merklich... und doch führen diese kleinen Risse zu existenziellen Fragen und einer kompletten Neuordnung der Familie.
Zwei ständige Bebleiter sind Marina einmal das Tagebuch ihrer Mutter, das ihr neues Bild der eigenen Geschichte komplettiert, zum Anderen eine Kamera, mit der sie sowohl Stimmungen einfängt als auch eine gesunde Distanz zwischen sich und "die anderen" bringt.

Mit ihrem überaus persönlichen Film (die Regisseurin selbst verlor ihre Eltern an Aids) gelingt Carla Simón eine Feinzeichnung und Intimität, wie wir sie gut von John Cassavetes kennen. Die Szenen bzw. Abläufe wirken beiläufig, zufällig, fast wie eine Laien-Aufnahme, und doch haben sie enorme Strahlkraft. Kein Wunder: es wurden auch Laien besetzt und sehr intensiv geprobt, sodass während der Proben tatsächlich so etwas wie eine echte Familie vor der Kamera entstehen konnte. Herausgekommen ist eine meisterlich erzählte Geschichte über die Selbstfindung und – vor allem – Emanzipation einer jungen Frau, die sich nicht und für nichts kaufen bzw. verraten lässt, die durch den Schmerz geht und so ihre Identität stärkt... also ein Film über die wahre Bedeutung von Freiheit!

Sollten Sie gewisse Einstiegsschwierigkeiten haben, ist das nicht verwunderlich, denn dieser Inszenierungsstil ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Nach einer Weile sind Sie "voll drin" und gehen mit auf die Reise. Ich freue mich schon darauf, Romería bei Gelegenheit ein zweites Mal zu entdecken!

cnm 

Die Regisseurin zum Filmtitel: "Romería bezeichnet vor allem in Südspanien eine Wallfahrt zu einem Schrein oder einer Eremitage. In Galicien und Nordspanien wird der Begriff aber auch in einem anderen Sinne verwendet, nämlich als Synonym für ein Volksfest. In unserem Film sind beide Bedeutungen des Wortes präsent, sowohl das Fest als auch die spirituelle Reise. Beides war mir wichtig".


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