DAO

DAO ★★★☆☆
Start: 04.06.2026 | FSK 12
© Films That Matter



Frankreich, Senegal, Guinea-Bissau 2026
Genre: Drama
Länge: 185 Min. (langer Film)
Regie: Alain Gomis
Buch: Alain Gomis
Cast: Katy Correa, Nicolas Gomis, D'Johé Kouadio, Fara Baco Gomis, Samir Guesmi, Poundo Gomis, Mike Etienne
Kamera: Céline Bozon, Amath Niane, Mabeye Deme
Schnitt: Alain Gomis, Fabrice Rouaud, Assetou Koné, Dimitri Ouedraogo, Elizabeth Ndiaye, Moustapha Mbalo Dieng
Musik: Gaspard Gomis & Space Dukes, Keïta Janota & Cie

Bei einem Filmcasting begegnen sich zwei Frauen und "werden" vor laufender Kamera zu Mutter und Tochter: Gloria und Nour. Und die Familie der beiden wächst vor unseren Augen von Szene zu Szene. Mit anderen Schauspieler:innen und Laien feiern sie eine rauschende Hochzeit in Paris und reisen nach Guinea-Bissau, um das Familienoberhaupt zu verabschieden. Zwischen diesen beiden Ritualen bzw. Lebenswirklichkeiten – zwischen Europa und Westafrika, zwischen dem Leben und Tod / Abschied, Vergangenheit und Gegenwart – verweben sich wahre Geschichten mit erfundenen Erzählungen.
Was folgt, ist eine große Feier des Lebens: ein kreisender Tanz aus Liebe und Schmerz, aus Freude und Loslassen. 

Um diesen Film, einen Hybrid aus Fiktion und quasi-Doku, zu "überstehen", müssen Sie sich von ihm tragen lassen, sich in die gezeigten Welten hineinbegeben. Und diese wechseln im zunehmend chaotischen Parallelschnitt zwischen zwei sehr unterschiedlichen Welten, der einen mit mehr Bodenhaftung und Tradition und der – uns vertrauteren – mit mehr Luxus und einer größeren Sehnsucht nach echten Verbindungen. Schwarzweiß wird hier gar nicht gemalt, beide Welten bekommen a) ihr Fett weg und zeigen b) erstaunliche Schnittmengen. Faszinierend ist die Authentizität, die hier rundum gelingt, da wirkt nichts gespielt, wir sind mittendrin im Geschehen und können gewissermaßen eintauchen in die jeweiligen Befindlichkeiten. Spiritualität, Feminismus (bzw. das Gegenteil davon), die Kälte von sog. Fortschrittlichkeit, alles trifft in diesem Filmkoloss aufeinander.

Die Struktur dieses Werks lässt allerdings zu wünschen. M.E. hat man sich zu viel vorgenommen und sich letztlich im Material verirrt wie in einem Labyrinth – gegen Ende schien mir das Filmkonstrukt zu stolpern, ja beinahe auseinander zu brechen und lässt m.E. eine halbwegs griffige Quintessenz vermissen. 

Ein faszinierendes Abenteuer zur Frage "Wer wollen wir sein, wie wollen wir leben?"  ist Dao in jedem Fall: ein Film ohne Gleichen, für das Sie allerdings sehr ausgeschlafen ins Kino gehen sollten.

cnm 

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