THE NEW WEST

THE NEW WEST ★★★★½
Originaltitel: EAST OF WALL | Start: 04.06.2026 | FSK 12
Tabatha Zimiga | © Sony Pictures Classics



USA 2025
Genre: Drama, Hybrid aus Spiel und Doku
Länge: 97 Min.
Regie: Kate Beecroft (Debüt)
Buch: Kate Beecroft
Casting: Wittney Horton
Cast: Tabatha Zimiga, Porshia Zimiga, Scoot McNairy, Jennifer Ehle, Jesse Thorson, Chancey Ryder Witt, Scoot McNairy, Clay Pateneaude, Leanna Shumpert, Brynn Darling u.a.
Kamera: Austin Shelton

Schnitt: Jennifer Vecchiarello
Musik: Lukas Frank, Daniel Meyer O'Keeffe

Der tragische Verlust ihres Mannes erschüttert das Leben der Rancherin Tabatha existenziell. Kaum kommt sie dazu, die eigene Trauer zuzulassen, denn ihre Pferderanch in den Badlands von South Dakota scheint dem Untergang geweiht. Die Patchwork-Familie muss versorgt werden, Pferde müssen auf Auktionen möglichst gewinnbringend versteigert werden. Was aus der Ranch wird, ob die große Familie bleiben kann, steht in den Sternen. Eines ist spürbar: trotz allen Kummers ist ihr Anwesen ein Ort der Liebe, wo man sich umeinander kümmert und Aufgeben keine Option darstellt. Doch hilft das allein, damit das Schiff nicht sinkt? Eine Lösung scheint in Sicht, als der gut situierte (und noch dazu gut aussehende) Geschäftsmann Roy das Angebot macht, die gesamte Ranch zu übernehmen, Bleiberecht der Familie garantiert. Dass der Teufel im Detail steckt, wird erst später offenbar.

Der mit dem Sundance-Publikumspreis ausgezeichnete Film ist Kate Beecrofts Regiedebüt. Drei Jahre lang begleitete sie das Leben ihrer Protagonistinnen und schuf schließlich ein Ensemble aus professionellen und Laiendarstellern.

Das Ergebnis ist m.E. ein Solitär. Eine solche Authentizität und alles durchdringende Unverfälschtheit erleben wir kaum je bei routinierten SchauspielerInnen. Auch wenn der klassische dramaturgische Bogen fehlt, so tragen sämtliche Figuren (vorrangig die Laiendarstellenden) dazu bei, dass wir quasi ohne Filter in ein Stück Amerikanischer Lebensrealität eintauchen dürfen, mit den Figuren gehen und mit ihnen fühlen, bangen und hoffen. Diese seltene Mischform aus Doku und Spiel hat eine besondere Faszination, ohne je auch nur ansatzweise voyeuristisch zu  sein.

Da ich Spoiler vermeiden will, nur so viel: das Ende des Films hat mich komplett ergriffen und gibt mir eine zeitlose, elementare Botschaft mit. Das macht kleine Durchhänger während der gesamten Filmlaufzeit mehr als wett. The New West ist mehr als ein Spielfilm, mehr als ein Western und mehr als eine Doku, weil er uns Dank seiner Aufrichtigkeit tief berühren kann.

cnm 

Querverweis auf Souleymans Geschichte, FR 2024, R.: Boris Lojkine

Kommentare