SPENCER

Unser aller Freiheit endet dort, wo sie andere einschränkt oder, schlimmer, deren Leben gefährdet. Ich bin zweifach geimpft. Es war ein Piks und weiter nichts. Manche Reaktionen auf die Impfung sind vielleicht etwas anstrengender, doch dieses "Opfer" ist zu verkraften angesichts des Schicksals von Menschen, die wegen überlasteter Krankenhäuser nicht ausreichend oder rechtzeitigt versorgt werden können.
Bitte:
reduzieren Sie Ihre Sozialkontakte, halten Abstand, tragen  FFP2-Maske, desinfizieren sich so oft es geht unterwegs die Hände und...

LASSEN SIE SICH IMPFEN!
damit Sie auch morgen noch... Filme wie Spcncer sehen können!

 

SPENCER
Kinostart: 13.01.2022 | FSK 12

Kristen Stewart | ⓒ Pablo Larrain, DCM


Großbritannien, Deutschland, Chile 2021

Genre: Biopic, Drama
Länge: rund 110 Min.
Regie: Pablo Narraín
Buch: Steven Knight
Darsteller: Kristen Stewart, Jack Farthing, Richard Sammel, Amy Manson, Sally Hawkins, Sean Harris 
Kostüm: Jacqueline Durran
Kamera: Claire Mathon
Schnitt: Sebastián Sepúlveda
Musik: Jonny Greenwood

Im Jahre 1991 rüstet sich Prinzessin Diana für ein aufgezwungenes Weihnachts-Miteinander der royalen Familie auf deren Landsitz Sandringham. Ein Zeremoniell, das sich über unerträgliche drei Tage erstrecken wird. Äußerlich wird sie gerüstet: für jeden Tag sind mehrere Outfits bereits ausgesucht worden und liegen akkurat etikettiert bereit. Innerlich findet sie offensichtlich kaum noch die Kraft, jenen zu begegnen, die sie mit einer Mischung aus Skepsis und starrer Freundlichkeit (oder: Feindseligkeit) beäugen. Immerhin gibt es unter den Bediensteten noch Einzelne, mit denen sie sich offenherzig austauschen kann.

Farbentsättigte, grau-grün-braune und vernebelte Außenaufnahmen, eine Bildeinrichtung, die man distinguiert (genauer: stilsicher unspektakulär) nennen darf, kontrastierende farbsatte und überdekorierte Innenräume, karge, brüchige, beinahe geflüsterte Dialoge, untermalt von wehmütiger, nicht selten dissonanter Streichermusik... dies ist die Form, die mich den ganzen Film hindurch zu dem Schluss brachte: hier handelt es sich um ein Requiem für eine Lebende.
 
Der Film erzählt uns nichts Neues: Diana ist zu jener Zeit einsam und am Rande ihrer Belastbarkeit.  Allein lebt sie eindeutig freier als in Gesellschaft: sie spricht und interagiert mit Dingen, sie vertraut sich Bediensteten an, kommt zu spät zu ihren Terminen, sie gehorcht unter ihres Gleichen der Konvention und hält sich nicht selten in dunklen Fantasiewelten auf, um zu überleben. Spencer ist eine Art Meditation über die Unglückliche Frau (wie auch in 3 Tage in Quiberon, 2018, R.: Emily Atef), eine morbide Identifikationsmöglichkeit, die künstlerisch als Ausnahmearbeit bezeichnet werden darf und von daher sehenswert ist.

Allerdings kann ich mir nicht verkneifen zu fragen: warum, wozu, für wen? Diana hatte den Fehler gemacht, sich nicht zu rechter Zeit der Schlinge zu erwehren, die um ihren Kopf gelegt wurde - und die sie selbst kommen sah! Doch wer möchte ihr das vorwerfen? Über dies Verhängnis wurden nicht eben wenige Filme gedreht (z.B. sehr gut und differenziert in The Crown, Netflix-Serie seit 2016). Und nun kommt ein weiterer Film, der - pardon! - unsere Gier auf das Unglück Privilegierter befriedigt. Die Wertschätzung dieses Films hängt also ganz besonders von der jeweiligen Lesart ab. Ich bin und bleibe aus genannten Gründen ambivalent.
 
Einladung zu Elendsvoyeurismus oder Empathie - oder beides? - Diana durchlebt drei royale Weihnachtsfeiertage, erstickt von Etikette und Reglements - mit nur wenig Fluchtmöglichkeiten. Cinéastisch ist das auf jeden Fall sehenswert.

cnm

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