FCK 2020 - ZWEIEINHALB JAHRE MIT SCOOTER
FCK 2020 - ZWEIEINHALB JAHRE MIT SCOOTER ★★★☆☆☆
Filmstart: 05.01.2023 | FSK 12
Deutschland 2022
Länge: gut 110 Min.
Regie: Cordula Kablitz-Post
Buch: Cordula Kablitz-Post
Buch: Cordula Kablitz-Post
Mit: H.P. Baxxter, Jens Thele, Rick J. Jordan, Sebastian Schilde, Michael Simon, Ellen Geerdes
Kamera: Christopher Rowe
Schnitt: Mechthild Barth
Kamera: Christopher Rowe
Schnitt: Mechthild Barth
Die Dokumentaristin begleitet die Rave und Techno-Superstars SCOOTER mit H.P. Baxxter (geb. 1964) als Frontmann etwa seit Beginn der Corona-Krise bis zur ersehnten Begegnung mit dem großen Publikum bei der legendären Veranstaltung "Rock am Ring".
Nun gibt es ja inzwischen nicht wenige Dokus über MusikerInnen im Lockdown. Sie alle haben gelitten wie die Hunde - ging es doch auch ins Existenzielle für alle Beschäftigten im Tourbusiness. Die Frage in jedem Einzelfall ist: wie gehen die Betroffenen mit der Situation um, mit dem Gefühl, vor eine Wand gefahren zu werden?
Ich hatte mit Scooter/Baxxter nie was am Hut, jede Form von Ballermann-Techno-Sound interessiert mich null. Umso überraschter war ich, einen so lebenslustigen, positiv eingestellten und vor allem extrem bodenständigen Menschen zu erleben, der seit jungen Jahren sein eigenes Ding und keine Kompromisse gemacht hat, seinen Traum nicht nur träumte, sondern geradewegs darauf zuging.
Gleich zu Beginn sitzt er mit Mutter und Schwester im heimischen, rustikalen Mobiliar bei Kaffee und Kuchen und erinnert sich an die frühen Jahre. Als junger Typ war Baxxter bereits hemmungslos in Outfit und Auftreten, sein tonales Wackeln macht er wett mit Charme und einem stimmlichen Timbre ähnlich dem von Marc Almond. Da ist bei aller Künstlichkeit nichts aufgesetzt, der Mann ist pur, der Mann ist tiefenentspannt - und das, wie es scheint, weitgehend drogenfrei.
Tatsächlich bekomme ich dann auch eine Gänsehaut, als die Band mit einer ersten verzweifelten Kompromisslösung in einem Autokino auftritt und tatsächlich den Platz komplett rockt.
Im späteren Verlauf erleben wir die kleinen und größeren Weggabelungen, die das Leben so mit sich bringt. Und die Doku verliert an Spannung, an Faszination, scheint im dramaturgischen Schnitt immer beliebiger vorzugehen, als wäre die Lähmung der Corona-Jahre auch am Schneideplatz zugeschlagen.
Doku über Scooter, die trotz dramaturgischer Durchhänger Spaß macht und vor alle den Menschen H.P. Baxxter aus nächster Nähe zeigt. Man möchte meinen: gäbe es nur Menschen wie ihn, die so entspannt ihr Ding durchziehen - es gäbe keine Kriege auf der Welt.
cnm

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