DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE ★★★½☆☆
Start: 23.10.2025 | FSK 12
August Diehl | ©Lupa Film, CG Cinema, Hype Studios



Deutschland, Frankreich 2025
Genre: Drama, Historie
Länge: 135 Min. (langer Film)
Regie: Kirill Serebrennikov
Buch: Kirill Serebrennikov
Nach: Olivier Guez (Roman)
Casting: Suse Marquardt
Cast: August Diehl, Max Bretschneider, David Ruland, Frederike Becht, Mirco Kreibich, Dana Herfurth, Karoly Hajdyk, Falk Rockstroh, Annamaria Lang, Tilo Werner, Burghart Klaußner
Kamera: VladiOpelyants
Schnitt: Hansjörg Weißbrich
Musik: Ilya Demutsky

Gleich nach Ende des Zweiten Weltkriegs gelingt es Josef Mengele – berüchtigter NS-Arzt, der im Vernichtungslager Auschwitz an Inhaftierten experimentierte und sie mordete –, sich mit Hilfe des Ex-SS Regimes und finanzkräftiger südamerikanischer Familien in Argentinien anonym abzutauchen. Hier nennt er sich Gregor. Sein Leben verbringt er von jetzt an wie geduckt, beständig auf der Lauer, auf der Hut, wer ihn erkennen und verraten könnte. Seine Flucht führt weiter nach Paraguay, mit Zwischenstopps im brasilianischen Urwald... so entzog er sich erfolgreich seiner Strafverfolgung. Im hohen Alter gibt es eine Begegnung mit seinem Sohn Rolf, der ihn final zur Rede stellt, seine Lügen bzw. seine Integrität auf den Prüfstand bringt. Was sich dabei offenbart, ist ein längst verinnerlichter Verdrängungsmechanismus.

Es ist sowieso gut, dass uns diese Zeit, ihre Figuren, die Frage nach Schuld und Verantwortung – hier in Person des Mengele – immer wieder vor Augen geführt wird. Denn die Neuen Rechten erstarken, und vor allem junge Menschen brauchen diesbezüglich Informationen, Input, Warnsignale.
Formal, erzählerisch, schauspielerisch bietet Das Verschwinden des Josef Mengele anspruchsvolles Kino vom Feinsten: Diehl verkörpert den Verbrecher mit nahezu beispielloser Intensität, das ist Schauspiel auf höchstem Niveau (von der guten Maskenarbeit ganz abgesehen).

Mein Kritikpunkt wäre, dass diese Vorteile auch einen Nachteil bilden. Wenn das Böse so glasklar und zweifelsfrei als das Böse dargestellt werden, können wir Zuschauenden uns leicht abgrenzen und sagen: "Das bin ich nicht, das hat mir mir nichts zu tun". Wir können den Film als Faszinosum einstufen, es bestaunen und es uns beim Verlassen des Kinos von der Jacke klopfen. Gegenbeispiel wäre dagegen der wahrlich monströse Film Zone Of Interest, in dem die Alltäglichkeit und Banalität des Bösen, nämlich die enorme Gleichgültigkeit angesichts namenloser Verbrechen, wie ein Schock ins Mark fährt und dort verbleibt.

Das Verschwinden des Josef Mengele ist m.E, formal herausragend, konzeptionell hingegen fragwürdig. In jedem Fall aber sehenswert.

cnm


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