ANEMONE

ANEMONE ★★★★½
Start: 27.11.2025 | FSK 12
Sean Bean, Daniel Day-Lewis | © Universal Pictures Germany



USA, Großbritannien 2025
Genre: Drama
Länge: 126 Min.
Regie: Ronan Day-Lewis (Debüt)
Buch: Daniel Day-Lewis, Ronan Day-Lewis
Casting: Shaheen Baig, Gabby King
Cast: Daniel Day-Lewis, Sean Bean, Samantha Morton, Samuel Bottomley u.a.
Kamera: Ben Fordesman
Schnitt: Nathan Nugent
Musik: Bobby Krlic

Ray und Jem Stoker sind Brüder, deren Wege sich vor langer Zeit getrennt haben. Nach traumatischen Gewalt- und Kriegserlebnissen zog Ray sich in ein freiwilliges Exil in einer Waldhütte zurück, während Jem sich für ein tief religiös geprägtes Familienleben mit Partnerin Nessa und dem Ziehsohn Brian entschied. Doch all die Jahre klaffen die Wunden, vererben sich innere Leere, Gewalt und Depression weiter, bis der Junge daran vollkommen zu zerbrechen droht. Dann kommt der Tag, an dem Jem sich auf den Weg in den Wald zu seinem Bruder macht, um den Dialog zu suchen und ihn zu überreden, den Kontakt zur Familie wieder zuzulassen.

In seinem Regiedebüt zeigt Ronan Day-Lewis (Sohn von Daniel Day-Lewis) einen unbedingten Willen zum Stil: Seine Erzählung kommt in magischen Bildern daher, ist ausgestattet mit so viel Schweigen, dass wir gezwungen sind, in uns selbst zu horchen, ist voll mit biblischen Metaphern und anderen symbolträchtigen, traumgleichen Momenten (frei zu unserer Interpretation) und einer Wucht an vornehmlich männlichen Emotionen, die (naturgemäß?) nur selten einen Weg nach außen finden. Die abgründige, atmosphärische Musik gibt dem Konstrukt satte Bodenhaftung.

Day-Lewis' elegische Meditation über Schuld und Vergebung wäre m.E. nicht zwingend schlechter geraten, hätte der Regisseur den Mut zu deutlichen Kürzungen aufgebracht. So wirkt der Film zwar ohne Frage imposant, aber doch auch ein wenig eitel und überdehnt.

Schauspielerisch bzw. inszenatorisch bietet Anemone auf jeden Fall großes Kino, kein Wunder, wirken hier auch große Namen der Branche als organisches Ensemble. – Wer einiges an Geduld mitbringt, kann hier ein interessantes und vielversprechendes Regiedebüt erleben. Im Idealfall auf der großen Leinwand!

cnm 

Kommentare

Beliebte Posts der letzten 30 Tage

DER MANN, DER IMMER KLEINER WURDE – DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C

LEBENSANSICHTEN EINES HUHNS

SORRY, BABY

INSEKTEN – HELDEN IM VERBORGENEN

ZWEI STAATSANWÄLTE

BUGONIA

TO MY SISTERS

LA SCALA - DIE MACHT DES SCHICKSALS

DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

ETWAS GANZ BESONDERES