PETER HUJAR'S DAY

PETER HUJAR'S DAY ★★★★★
Originaltitel: | Start: 06.11.2025 | FSK 12
Rebecca Hall, Ben Wishaw | © Salzgeber & Company Medien




USA, GB, Deutschland, Spanien 2025

Genre: Dokufiktion
Länge: 76 Min.
Regie: Ira Sachs
Buch: Linda Rosenkrantz, Ira Sachs
Cast: Rebecca Hall, Ben Wishaw
Kamera: Alex Ashe
Schnitt: Affonso Gonçalves

Manhattan, 1974: Für ein Kunstprojekt erzählt der Fotograf Peter Hujar, eine der prägenden Figuren der New Yorker Szene, seiner Freundin Linda Rosenkrantz von seinen vergangenen 24 Stunden: über das Leben in einer Stadt, in der alle Kunst machen wollen, aber niemand Geld hat; über ein Treffen mit Allen Ginsberg, der ihm Oralsex mit William S. Burroughs nahelegt, über die schriftstellerischen Vorzüge von Susan Sontag gegenüber Fran Lebowitz, oder auch nur über sein Abendessen. Die beiden sprechen bis in die Nacht, wie es nur Vertraute können: ehrlich, intim, mit leisem Witz, Wehmut und großer Zuneigung. Das Gespräch wurde aufgezeichnet, es war Teil eines Kunstprojekt Rosenkrantz', aus dem jedoch nichts wurde – bis 2019 die Abschrift der Unterhaltung in Hujars Archiv gefunden wurde. Dies erschien später als Buch und diente nun der Regisseurin als Drehbuchvorlage.

Es scheint mir ein kleines Wunder zu sein, dass Filme dieser Art tatsächlich entstehen und wir sie heute schauen dürfen. Es ist der seltene Fall, dass der Stoff einem Hauch von nichts gleicht und doch so viel zu sagen hat. In der Unterhaltung der beiden (göttlich gespielt von Hall und Wishaw gleichermaßen; eine Studie für alle Schauspiellernenden um jeden Preis wert), die entspannter nicht sein könnte – wie das bei guten Freunden optimalerweise ist – werden große und banale Themen gestreift: es geht um Jobs, um Erschöpfung und Schlafmangel, um Ängste und Sehnsüchte, ums Essen sogar, ums Älterwerden, um Langeweile... ein Faszinosum, dass bei der extrem kontemplativen Atmosphäre die Spannung nie, nicht einen Moment verloren geht!

Formal bietet das Kammerspiel gekonnte Kniffe von Film-im-Film, ist lässig-rau, fast wie ein Entwurf geschnitten und gerade dadurch berückend authentisch. Ein Film für KunstfreundInnen, ein Film für Schauspielgourmets. Vielleicht tatsächlich ein Film für wenige, da so gar nicht kommerziell, doch empfehle ich, sich zumindest versuchsweise auf ihn einzulassen, auf diesen deliziösen, stillen Rausch.

cnm 

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