HERZ AUS EIS

HERZ AUS EIS ★★★★
Originaltitel: La tour de glace | Start: 18.12.2025 | FSK 12
Clara Pacini, Marion Cotillard | © Grandfilm



Frankreich, Deutschland 2025
Genre: Drama, Elegie
Länge: 117 Min.
Regie: Lucile Hadžihalilović
Buch: Geoff Cox, Lucile Hadžihalilović
Casting: Lydie Le Doeuff
Cast: Marion Cotillard, Clara Pacini, August Diehl, Gaspar Noé u.a.
Kamera: Jonathan Ricquebourg
Schnitt: Nassim Gordji-Tehrani

Eine völlig entrückte Geschichte, spielend in den 1970er Jahren. Die 16jährige Jeanne nimmt vom Heim Reißaus vom Kinderheim und irrt durch die kalte Stadt, getrieben von unbestimmter Sehnsucht. Sie findet Zuflucht in einem nüchternen Gebäude, das sich sogleich als Studio einer Filmproduktion entpuppt, die gerade eine neue Version der Schneekönigin realisiert. Hier begegnet Jeanne ihrem eigenen Traum von der Figur: die rätselhafte Schauspielerin Cristina verkörpert sie auf so magische wie furchteinflößende Weise: kalt, undurchschaubar, glitzernd, verführerisch. Aus der jungen Beobachterin in schattigen Winkeln des Studios wird eine Helferin, ein Lichtdouble, bald darauf Vertraute der weiß glitzernden Diva – ein selbstverständlicher Teil des Geschehens. Doch diese Verbindung, dieser wahr gewordene Traum bedeutet nichts Gutes...

Was die Regisseurin hier vollbringt ist Kinomagie pur, ist unerklärlich, schwebend, alles auf hypnotische Weise durchdringend. Im Prinzip versetzt sie uns komplett in die Lage des heranwachsenden Mädchens: der Film betört uns mit seiner Doppelbödigkeit, mit dem Verschwimmen aller Grenzen zwischen Wirklichkeit und Traum, zwischen dem Erschaffen einer Illusion und dem Hineinfallen in Selbstaufgabe. Stilistisch gelingt Lucile Hadžihalilović dies mit langen, ruhigen, oft dialoglosen Sequenzen, unterlegt mit schwebenden, sphärischen Klängen, in denen ihr superber Cast (sowohl Cotillard als auch Clara Pacini spielen kongenial!) das Szenario einer (im innersten verzweifelten) Verführerin und ihres (ebenfalls verzweifelten) jungen Opfers mimen. Hier stimmt die Chemie, hier stimmt einfach alles. Wenn es gelingt, sich dem hinzugeben, gleicht das Kinoerlebnis tatsächlich einer Trance.

Leichte Kost ist das nicht! Denn im Grunde sehen wir tief in die einsamen Abgründe des Filmbusiness, erleben seine Verführungskünste wie auch seine Verlogenheit hautnah. Ich sage: Herz aus Eis ist ein cineastischer Solitär, den CineastInnen um keinen Preis versäumen dürfen – auf größtmöglicher Leinwand!

cnm 

Berlinale: Gewinner des Silbernen Bären für eine Herausragende Künstlerische Leistung

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