DER FREMDE

DER FREMDE ★★★★½
Originaltitel: L'Étranger | Start: 01.01.2026 | FSK 12
Benjamin Voisin | © Foz - Gaumont - France 2 Cinema - Foto: Carole Bethuel



Frankreich 2025
Genre: Drama, Buchverfilmung
Länge: 122 Min.
Regie: François Ozon
Buch: François Ozon
Nach: Albert Camus (Roman)
Cast: Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin, Denis Lavant, Swann Arlaud, Christophe Malavoy, Nicolas Vaude, Jean-Charles Clichet, Mireille Perrier, Hajar Bouzaouit, Abderrahmane Dehkani u.a.
Kamera: Manu Dacosse
Schnitt: Clément Selitzki
Musik: Fatima Al Qadiri

Algier, 1938. Meursault, ein zurückhaltender, unauffälliger Angestellter Anfang dreißig, nimmt ohne sichtbare Gefühlsregung an der Beerdigung seiner Mutter teil. Am nächsten Tag beginnt er eine Affäre mit seiner früheren Kollegin Marie und kehrt in seinen gewohnten Alltag zurück. Dieser wird jedoch bald durch seinen Nachbarn Raymond gestört, der Meursault in seine zwielichtigen Machenschaften hineinzieht – bis es an einem glühend heißen Tag am Strand zu einem schicksalhaften Ereignis kommt – mit fatalen Konsequenzen.
François Ozon wagt sich an einen Klassiker der Weltliteratur, der gleichnamigen Erzählung von Albert Camus, einem der bedeutendsten französischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Dessen Buch erschien 1942, da war er noch keine 30 Jahre alt und bereits überzeugter (politischer) Nihilist, der Verfechter eigentlich keiner Staatsform war, nicht einmal der Demokratie. Sein Credo und das Thema seiner Arbeiten war vornehmlich die Sinnlosigkeit unserer Existenz. Hierfür ist Der Fremde prototypisch: die Hauptfigur wandelt ungerührt durch die unterschiedlichsten Szenarien, ist gleichgültig der Frage, ob zu heiraten sei oder nicht, hat Sex mit einer Frau, bei der er bleibt – könnte es aber genauso gut lassen. Auch spätere radikale Handlungen sind ihm vollkommen gleich.

Wie sollte man eine solche Geschichte, die sich anschickt, keine zu sein, filmisch umsetzen – und wie sollte man die Umsetzung bewerten? Vielleicht spielt es folgerichtig keine Rolle. Aber ich versuch's.
M.E. entspricht Ozon der Energie der Vorlage vorzüglich, nämlich mit erlesener schwarzweiß-Fotografie und schönen Menschen, die der Gleichgültigkeit des Meursault mit Emphase und Entrüstung (bzw. Unverständnis) begegnen. Ein so gleichgültiger Mensch muss bestraft werden, denn er passt nicht ins bestehende System! Dies gewählte Schwarzweiß wirkt elegant, ja beinahe heiter, optimistisch und spiegelt eben die gelassene Ungerührtheit des Protagonisten superb wider.

Gleichzeitig löst der Film wenig in mir aus, erzählt er doch (folgerichtig) von einem Innenleben, das nicht da, also wie tot ist. Es entsteht eine Art innerer Leere – denn ich bin es gewohnt, dass Filme von Figuren mit einem Ziel und einer bestimmten Betriebstemperatur/Energie erzählen. Ich lasse meine Stern-Vergabe mit 4,5 stehen; es könnten aber genauso gut 5 oder 6 oder einer oder keiner sein.

Das Buch entstand zu Kriegszeiten, der Film kommt in einem Zeitfenster auf die Leinwand, da Kriege vermehrt entflammen und ein weiterer Weltkrieg in der Luft liegt. Ein Zufall? Wie stellen wir uns als Individuen zu den daraus resultierenden, existentiell wichtigen Fragen? Womöglich gibt Der Fremde hierauf eine Antwort, die als negatives Beispiel herhalten kann.

cnm
 

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