DIE PROGRESSIVEN NOSTALGIKER

DIE PROGRESSIVEN NOSTALGIKER ★★★★★
Originaltitel: C'était mieux demain | Start: 22.01.2026 | FSK 6
Didier Bourdon, Elsa Zylberstein | © Neue Visionen



Frankreich, Belgien 2025
Genre: Komödie
Länge: 103 Min.
Regie: Vinciane Millereau
Buch: Julien Lambroschini, Vinciane Millereau
Casting: Okinawa Guerard
Cast: Elsa Zylberstein, Didier Bourdon, Mathilde Le Borgne, Maxim Foster, Romain Cottard, Barbara Chanut, Céline Fuhrer, François Pérache, Esteban Delsaut, Aurore Clément, Didier Flamand
Kamera: Philippe Guilbert
Schnitt: Nassim Gordji-Tehrani
Musik: Romain Trouillet

Michel und Hélène leben – comme il faut – ein Bilderbuchleben in den 1950er Jahren. Er geht als Ernährer der Familie in die Bank, um dort über Kredite zu entscheiden, die steht adrett am Herd und kümmert sich um Haushalt und die soziale Reputation der Familie. Dass das Konstrukt eigentlich nicht zu aller Zufriedenheit ist, lässt sich schon bald ahnen: immer wieder werden Kröten geschluckt, die dem eigenen echten Glück im Wege stehen, während er Herr im Haus das Patriarchat hochhält. Ein Unglücksfall in der Waschküche beamt die beiden überraschenderweise in das Jahr 2025. Was für ein Schock! Hier steht die Welt für sie Kopf und fordert ganz neue Tribute. Die Küche spricht mit ihnen, auf den Straßen finden sich eigenartige Fahrzeuge, sie wird als Chefin im Büro erwartet, während er den Haushalt zu schmeißen hat. Als i-Tüpfelchen plant die geliebte Tochter, ihre Freundin (!) zu heiraten (!). In kurzer Zeit begreift Hélène die Vorzüge der feministischen Errungenschaften. Ihr Mann indes will back to the past...

Es ist einfach nur köstlich, wie das Gespann Millereau/Lambroschini den ewigen Tanz um Geschlechterrollen auf die Schippe nehmen. Die beiden Prototypen Mann und Frau sind so absolut menschlich und in ihren Reaktionen auf die neue Wirklichkeit so glaubwürdig hysterisch, dass ich mich im Kinositz gekugelt habe. Hier gelingt es, wichtige Punkte um das Recht der Frau auf Gleichberechtigung und das Recht auf frei gelebte Sexualität zugleich völlig leicht und urkomisch, dabei aber so gar nicht oberflächlich bzw. marginalisierend zu behandeln. Selten glückt eine Kombination aus Botschaft und Unterhaltung so glänzend!

Die Progressiven Nostalgiker ist womöglich die Komödie des Jahres. Ich kann sie vorbehaltlos als Gaudi und Kur gegen Alltagsstress mit Mehrwert jedem nur denkbaren Zielpublikum ans Herz legen.

cnm 

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