FATHER MOTHER SISTER BROTHER

FATHER MOTHER SISTER BROTHER ★★☆☆☆☆
Start: 26.02.2026 | FSK 12
Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps | © Vague Notion, Photo: Yorck Le Seaux



USA, Irland, Frankreich 2025
Genre: Dramödie
Länge: 110 Min.
Regie: Jim Jarmusch
Buch: Jim Jarmusch
Casting: Ellen Lewis
Cast: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Sarah Greene, Indya Moore, Luka Sabbat, Françoise Lebrun
Kamera: Frederick Elmes, Yorick Le Saux
Schnitt: Affonso Gonçalves
Musik: Jim Jarmusch & Anika

Der Meister, der legendäre Jim Jarmusch wartet mit einem filmischen Triptychon über familiäre Dysfunktionalität auf. Die drei Teile spielen im Hier und Jetzt, sie sind verortet im Nordosten der USA, in Dublin und in Paris. Eltern wie Kinder unterschiedlichster Couleur und Verfassung begegnen einander, meist sprachlos. Sie zelebrieren unbeholfen so etwas Ähnliches wie Geselligkeit; mit der Kommunikation hingegen läuft es weniger rund. Spaß hat hier kaum jemand, zumeist sind sie ein wenig steif, reagieren aufeinander wie gleichgepolte Magnete, derweil die familiären Bande noch rudimentär vorhanden sind: man ist im Lauf des Lebens einander fremd geworden. – Und wer kennt das nicht?

Kaum ein Regisseur genießt einen solchen Ruf und solch hohes Ansehen wie Jarmusch. Film um Film überraschte er stilsicher mit eigenwilligen, stillen und heimtückisch amüsanten kleinen Geschichten, bei denen immer auch etwas Philosophisches mitschwang.

Bei seinem neuesten Film erging es mir überraschenderweise vollkommen anders. Mir schien, der Meister hat nichts mehr zu sagen. Gerade weil ich auf die Peinlichkeiten und Missverständnisse des Alltags stehe, gerade weil ich leere Phrasen gern entlarvt sehe, bin ich an diesem Punkt besonders empfindlich. Durch die Bank, schien mir, geschah dem Regisseur mit seiner Geschichte und seiner Inszenierung das, was seine Figuren zu erzählen haben! Leer kam mir jede Szene vor, steif und unmotiviert die Figuren, zum Selbstzweck geraten die vielen kleinen formalen Details, die sich verlässlich wiederholen. Um ehrlich zu sein, überkamen mich im Kinosaal bereits nach wenigen Minuten heftige Fluchtimpulse.
Zum Vergleich: wenn bei Ulrich Seidl in einer kurzen Einstellung drei Frauen draußen vor einem schmucklosen Haus an einem schmucklosen Tisch sitzen und wortlos Kuchen in sich hineinschaufeln, hat das mehr Aussage, mehr Grausamkeit und Humor als bei Jarmuschs Film in einer quälenden viertel Stunde.

Geholfen hat da keinen Deut, dass sich Jarmusch und sein Team an die gewohnte, wirklich aussergewöhnliche Filmästhetik aus vorangegangenen Filmen hielt, eine Ästhetik, die wirklich unverwechselbar ist und eine eigene Faszination hervorruft. Ebensowenig wie der Umstand, dass er die Crème unter den internationalen SchauspielerInnen verpflichten kann. Es gölte, diesen auch glaubhaft Leben einzuhauchenb und mehr als eine Dimension zu gönnen.

cnm 


Der Film wurde in Venedig geehrt mit dem Goldenen Löwen für den Besten Film.

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