MICHAEL
MICHAEL ★★★☆☆☆
Start: 23.04.2026 | FSK 6
USA 2026
Genre: Biopic, PopcornLänge: 127 Min.
Regie: Antoine Fuqua
Buch: John Logan
Casting: Kimberly Hardin u.a.
Buch: John Logan
Casting: Kimberly Hardin u.a.
Cast: Jaafar Jackson, Nia Long, Juliano Crue Valdi, Miles Teller, Colman Domingo u.a.
Kamera: Dion Beebe
Schnitt: John Ottman, Harry Yoon
Musik: Lior Rosner
Kamera: Dion Beebe
Schnitt: John Ottman, Harry Yoon
Musik: Lior Rosner
Michael Jackson (1958-2009) trat bereits 1966 als Siebenjähriger als Leadsänger (!) mit seinen Brüdern unter dem Bandnamen Jackson 5 auf, sein Talent wurde praktisch sofort entdeckt, und er entwickelte sich zu einer Ikone, zum King of Pop. Dieser Weg war allerdings beschwerlich, da Jackson sich vom (sich selbst als Manager auf Lebenszeit sehenden sowie prügelnden) Vater zu emanzipieren hatte. Die Persona Jackson soll ein Leben lang zwischen zwei Extremen stehen: einer musikalischen Leistung, die wahrhaftig bis heute zeitlos ist, perfekt arrangiert, mitreißend, pulsierend. Auch als Tänzer war Jackson ein Solitär – bis heute unerreicht. Auf der anderen Seite stand seine Absonderlichkeit: eine nie wirklich geklärte Sexualität, seine grenzenlose Liebe zu Tieren und Kindern. Als Haustier der Affe Bubbles (sowie andere exotische Tiere bis hin zu einer Giraffe, wie uns der Film lehrt), Kinder durften ihn besuchen und im eigens gebauten Park Neverland Spaß haben. Der mehrfache Vorwurf pädosexueller Übergriffe stand und steht bis heute im Raum und wird wohl nie ganz geklärt werden. Des Weiteren isolierten ihn die vielen schönheitschirurgischen Maßnahmen: Verschlankung der Nase, Aufhellung der Haut, Operationen, die den Star beinahe bis zur Unkenntlichkeit veränderten...
Was bringt nun Michael auf die Leinwand?
Zunächst einmal ist es offensichtlich ein erster Teil, dem ein weiterer folgen soll, der also nicht das ganze Leben bis zum bitteren Ende zum Thema macht.
Ein erstes längeres Kapitel wendet sich dem Kind Michael zu, seinem Talent und dem strengen Regiment des Vaters. Juliano Crue Valdi als Kinderstar brilliert in dieser Rolle in jeder Hinsicht, er ist mein Star des ganzen Films, ihm hätte ein kompletter Film gebührt! Die späteren Kapitel mit Jaafar Jackson handeln dann die weitreichend bekannten Kapitel ab inclusive einer Verbrennungsverletzung, die offenbar den Weg zur Betäubungsmittelsucht ebneten.
Zunächst einmal ist es offensichtlich ein erster Teil, dem ein weiterer folgen soll, der also nicht das ganze Leben bis zum bitteren Ende zum Thema macht.
Ein erstes längeres Kapitel wendet sich dem Kind Michael zu, seinem Talent und dem strengen Regiment des Vaters. Juliano Crue Valdi als Kinderstar brilliert in dieser Rolle in jeder Hinsicht, er ist mein Star des ganzen Films, ihm hätte ein kompletter Film gebührt! Die späteren Kapitel mit Jaafar Jackson handeln dann die weitreichend bekannten Kapitel ab inclusive einer Verbrennungsverletzung, die offenbar den Weg zur Betäubungsmittelsucht ebneten.
Wie man Michael erlebt und einstuft, hängt einzig und allein davon ab, was man von dem Biopic erwartet. Als der Fanartikel, als der er eindeutig konzipiert ist, funktioniert er prima und wird wohl auch ein Massenpublikum begeistern. Musik wie Sound dominieren den Raum (großes Kino mit fetter Anlage empfohlen), hochfrequentige Schnittfolgen kaschieren etwaige Imperfektion der Choreographien (dennoch Respekt vor Jaafar, der gnadenlos Arbeit in seinen Auftritt investierte). Was die Besetzungsfrage betrifft, hat mich die Stimme Jaafars verblüfft (wenn es denn seine ist und keine KI-basierte), die mit der Sprechstimme von Jackson identisch zu sein scheint! Seine persönlichen Vibes hingegen haben für mich so gar nicht funktioniert. Hier muss der Vergleich zu Bohemian Rhapsody herhalten, in dem ein physiognomisch Mercury sehr unähnlicher Rami Malek gleichwohl ein Wunder in Sachen Charisma vollbrachte.
Substanz: sämtliche prekären Aspekte wie innerfamiliäre Gewalt und Zwang oder Erfolg vs. Einsamkeit sind hier extrem gesoftet dargestellt, quasi nur angedeutet. Somit ist sichergestellt, dass wir als Publikum nicht allzu sehr leiden müssen, also unbeschwert den Star feiern dürfen. Hier hätte sich das Drehbuch m.E. deutlich weiter aus dem Fenster lehnen dürfen und sollen.
Besetzung: ist rund und hat einige schöne Gimmicks zu bieten. Einziger Tiefpunkt ist die Konzert-Komparserie (Halbtotalen und Nahe von Fans), die eindeutig nicht einer medial unschuldigeren Zeit entspricht. Hier sehen wir ausschließlich Männer und Frauen, die es längst gewohnt sind, die eigene Begeisterung für etwaige (Handy)Kameras zur Schau zu stellen. Schlimm!
Technik: der süße Affe Bubbles ist animationstechnisch unter Niveau. Vgl. Better Man – Die Robbie Williams Story, in dem der Affe einmal brillant umgesetzt wurde und zum Anderen konzeptionell für Williams sowie auch für einen ungebändigten Selbsthass stand – ein deutlich mutigeres Konzept!
Nahezu unentschuldbar scheint mir die dramaturgische Schnittstruktur, etwa, wenn der Dreh zum Thriller-Video wie beliebig und im Prinzip völlig bedeutungslos, quasi als reiner Schauwert, eingesprengselt wird – und die sich vor allem im letzten Viertel des Films – wie um Zeit zu schinden – in einer sinnfreien Aneinanderreihung gefeierter Konzertauftritte ergeht. Freche Frage: warum um Himmels Willen kann man nicht ein dicht-komplexes Biopic mit Mut zur Tiefe wagen? Die Anwort würden wir auf irgendwelchen Bankkonten finden.
Nahezu unentschuldbar scheint mir die dramaturgische Schnittstruktur, etwa, wenn der Dreh zum Thriller-Video wie beliebig und im Prinzip völlig bedeutungslos, quasi als reiner Schauwert, eingesprengselt wird – und die sich vor allem im letzten Viertel des Films – wie um Zeit zu schinden – in einer sinnfreien Aneinanderreihung gefeierter Konzertauftritte ergeht. Freche Frage: warum um Himmels Willen kann man nicht ein dicht-komplexes Biopic mit Mut zur Tiefe wagen? Die Anwort würden wir auf irgendwelchen Bankkonten finden.
Es ist schön, dass Michael Jackson endlich auf der großen Leinwand gefeiert wird, und selbstverständlich wird die Fortsetzung Pflichtprogramm sein. Die Verpflichtung der Produktion gegenüber einem Massenpublikum hingegen ist mir ein größeres Ärgernis. Dem friedliebenden Michael Jackson hätte dies jedoch womöglich gut gefallen.
cnm

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