MISSING*LINK

MISSING*LINK ★★★★☆☆
Start: 16.04.2026 | FSK 12
Lennox Halm, Luca Brüggemann | © missingFILMs



Deutschland 2025
Spielfilm, ArtHaus
Länge: 120 Min.
Regie: Michael Baumann
Buch: Sabine Westermaier, Michael Baumann
Casting: Ulrike Müller
Cast: Susanne Wolff, Luca Brüggemann, Wolfram Koch, Martin Butzke, Margarita Breitkreiz, Lennox Halm, Janosch Andreas u.a.
Kamera: Falco Lachmund
Schnitt: Uta Schmidt, Antje Lass
Musik: Verena Marisa

Mia wird 14 und ist für ihr Alter ziemlich erwachsen: sie durchschaut das Getue ihrer Elterngeneration längst. Leider muss sie mit einer größeren Gruppe die Ferien in einer Waldsiedlung verbringen; dabei sind die seit Jahren getrennten Eltern nebst neuen PartnerInnen. Und eine Menge anderer unwichtiger Figuren. Ihre Mutter, Tine, scheint den Laden zusammen zu halten mit ihrer jovialen und sehr dominanten Persönlichkeit. Doch es knirscht im Gebälk! Unterdrückt werden Ressentiments, Neid, Eifersucht, alte Wut, Unzufriedenheit, Überdruss und viele mehr – bei den meisten Beteiligten zumindest. Mia beobachtet das, zumeist schweigend. Eine zusätzliche Belastung ist weniger ein gesundheitliches Problem, das sie schon lange mit sich trägt, sondern die daraus folgende Überfürsorglichkeit der Erwachsenen.
Da trifft es sich gut, dass Mia am See auf einen ebenfalls schweigsamen Jungen trifft – vielleicht etwas älter als sie und ausgesprochen attraktiv – mit dem sie durchs Gestrüpp laufen und eine eigene Welt entdecken kann. Ausgerechnet an ihrem Geburtstag (die perfekte Bühne dafür steht bereits) tauchen die beiden gänzlich ab.

Missing*Link – ein treffender Titel – erzählt von der innerfamiliären Bindung, die wir uns alle so sehr wünschen und die doch so verdammt schwer zu finden bzw. aufrecht zu halten ist. Mia ist in diesem Fall Symptomträgerin, sie darf das Elend, was alle zu unterdrücken suchen, ausbaden. Ich kann nicht genug betonen, wie grandios Luca Brüggemann diesen Part verkörpert. Ein Blick von ihr, ein halber Satz, wirken wie ganze Lebensgeschichten. Sie scheint mir eines der vielversprechendsten Talente des Jahres zu sein, und ich sage ihr bei etwas Glück und den richtigen Connections eine herausragende Schauspielkarriere voraus.

Alles in allem ist Missing'Link mehr eine Zustandsbeschreibung als eine Geschichte mit Verlauf. Oder besser: der Film erzählt zentral von diesem einen Moment, in dem wir begreifen, dass wir bereits getrennt sind, dass etwas Neues beginnt, dass wir loslassen müssen. Das ist hier wunderbar und nuancenreich gezeichnet und verdient, intensiv eingesogen zu werden. Sicher werden sich viele von uns in der einen oder anderen Figur erkennen. – Getragen wird dies übrigens von einer perfekten Symbiose aus Kamera, Schnitt und Musik; die drei spielen traumwandlerisch zusammen und machen den Film zu einem zwar stillen und scheinbar unspektakulären, aber besonderen Erlebnis.

ArtHaus, souverän, sehenswert.

cnm


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