IN CASE WE NEVER MEET AGAIN

IN CASE WE NEVER MEET AGAIN
Start: 28.05.2026 | FSK 12
© Port au Prince Pictures



Ukraine 2025
Genre: Dokumentarfilm
Länge: 89 Min.
Regie: Noaz Deshe, Beau Willimon, Petr Verzilov
Buch: Beau Willimon, Noaz Deshe

Während Tanya und Zenith um Nähe ringen und ihre fragile Beziehung zwischen Zärtlichkeit und Konflikt schwankt, verarbeiten Kinder den Ausnahmezustand auf ihre eigene Weise – sie spielen Krieg, bauen aus Fundstücken Kontrollposten und schlüpfen in Rollen, die ihnen Macht und Schutz versprechen.
Doch Laras Traum ist ein anderer: Entschlossen, die Kriegsfantasien nicht zur einzigen Zukunft werden zu lassen, lenkt sie das Spiel um: Aus dem Rollenspiel entsteht ein gemeinsames Theaterprojekt in der Nachbarschaft – eine neue Geschichte, die nicht von Zerstörung, sondern von Möglichkeit erzählt. Zwischen Erinnerungen, Träumen und einer Gegenwart, die jederzeit verschwinden könnte, sucht der Film nach Halt und Hoffnung – unaufgeregt und zutiefst gegenwärtig.

© Port au Prince Pictures






Kriege sind doch – so sehr wir uns auch in einer Art von Mitgefühl ergehen – eher ein Abstraktum, über das wir zweimal am Tag den Kopf schütteln können, um dann zum Alltäglichen überzugehen. Kriege sind Zahlen, Zeitungsartikel, sind allgemeine politstrategische Überlegungen, Stammtischgespräch. Hier haben wir die Möglichkeit, Leben im Krieg zu erleben: den stinknormalen Alltag, der teils unserem ähnelt, teils völlig anders aussieht. Dinge, die sich draußen in den Straßen abspielen, sind von Detonationen aus der Ferne begleitet. Sehnsüchte sind erheblich bodenständigerer Natur. Freude und Humor gibt es noch, aber sehr viel mehr Ernst und nicht wenige ziemlich leere Gesichter.

Diese Beobachtungen werden keineswegs ausgestellt wie ein Besuch im Zoo. Sie werden weder romantisiert noch dramatisiert. Gänzlich ohne unterlegte Musik, sind wir 1:1 im Geschehen und sehen so auf die Menschen als Menschen. Das schafft eine andere Art der Verbindung, das schafft eine neue Art von Blick, einen direkten, einen intimen. Den Krieg als solchen kann das nicht erklären – und das ist auch gut so.

Ein Problem des Films ist seine "unordentliche" oder chaotische Struktur, es ist in etwa so, als würde man in einem Zettelkasten wühlen, und auf jedem Zettel steht ein kurzer oder auch mal längerer persönlicher Moment eines oder mehrerer Protagonisten. Leider macht dieser Aspekt den Film recht schwer konsumierbar: es braucht einiges an Geduld, ihn zur Gänze anzuschauen. Aber den Versuch, wenigstens, ist es unbedingt wert.

cnm




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