ICE CREAM MAN

ICE CREAM MAN ★★½☆☆☆
Start: 06.08.2026 | FSK 18
Ari Millen | © StudioCanal Deutschland



Kanada 2026
Genre: Horror, Splatter, Trash, Komödie
Länge: 86 Min.
Format: 1,85:1
Regie: Eli Roth
Buch: Eli Roth, Noah Belson
Cast: Ari Millen, 
Kamera: Simon Shohet
Schnitt: Matt Lyon
Musik: Brandon Roberts, Snoop Dogg

Endlich Sommer in der amerikanischen Kleinstadt Bayleen Bay! Da kommt auch schon der charmante Eisverkäufer mit seinem Wagen um die Ecke und verteilt köstliches Eis an die Kinder, so liebevoll wie der heilige St. Martin. Doch in diesem Sommer soll etwas grundlegend anders sein. Kaum, dass die Kids ihr Eis genossen haben, verwandeln sie sich über Nacht in nichts Gutes und beginnen, die Erwachsenen mit brachialer Gewalt anzugreifen. Vorbei ist es mit dem friedlichen Miteinander! Ein paar Kinder wurden verschont (Laktoseintoleranz sei Dank) – können Sie dem Schrecken Einhalt gebieten?

Schon lange habe ich mir einen Horror gewünscht, in dem Kinder die Aggressoren sind. Und hier ist er!
Und erfreulicherweise sind die Kinder nicht animiert, sondern sehr real. Ihr Ver- und Anführer, der diabolisch grinsende Eisverkäufer, ist so gut designt, dass ich ihm ein ganzes Franchise gönnen würde.

Dennoch war die Vorfreude größer als der konkrete Gaudi. Roth, Meister des konsequenten Slasher-Genres, haut mit Ice Cream Man gehörig auf die Pauke – und tritt zugleich auf die Bremse. Warum? Weil er ganz bewusst einen Genre-Mix aus Slasher, Trash und Komödie bemüht. Gemetzel als Trash kommt in der Regel gut, weil ein dreckig-ungeschliffener Look den Ekel verstärkt, aber das obendrauf mit komödiantischem Touch angereichert ergibt eine eigenartige Verwässerung des Schreckens. (Einzige Ausnahme: Shaun of the Dead, 2004, da steht die Comedy allerdings auch maßgeblich). Allzu sauber ausgestellt werden die expliziten Gewalttaten, allzu unrealistisch lassen sich die Erwachsenen von Kids überrumpeln und zu Opfern machen; da steht vor allem der vermeintliche visuelle Schock (Gedärm, Blut & Co, also Ekel und Schock) im Zentrum, da verschenkt Roth das höchste Gut eigentlich eines jeden Genres: die Andeutung, das Geheimnis – der Schrecken, der aus dem entsteht, was wir nicht zu sehen bekommen (Paradebeispiel dafür: Das Schweigen der Lämmer, 1991).

Wenn sich auch im letzten Film-Drittel noch eine makabre Geschichte hinter der Geschichte auftut und damit dem Ganzen so etwas wie Substanz angeheftet will, fühlte sich Ice Cream Man – gemessen an den geschürten Erwartungen – doch eigenartig hohl an; für ein Guilty Pleasure gerät die Inszenierung nicht perfid genug, sondern verbleibt zu deutlich an der Oberfläche... und geht somit nicht unter die Haut.

cnm 

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