WAREN EINMAL REVOLUZZER
WAREN EINMAL REVOLUZZER ★★★★★★
Kinostart: 09.09.2021 | FSK 12
Genre: DramödieLänge: rund 105 Min.
Regie: Johanna Moder
Buch: Johanna Moder
Buch: Johanna Moder
Darsteller: Julia Jentsch, Manuel Rubey, Aenne Schwarz, Marcel Mohab, Lena Tronina, Tambet Tuisk, Johann Bednar
Kamera: Robert Oberrainer
Schnitt: Karin Hammer
Musik: k.A.
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Kamera: Robert Oberrainer
Schnitt: Karin Hammer
Musik: k.A.
Helene und Jakob, Volker und Tina sind zwei befreundete Paare mittleren Alters, die teils im Leben Fuß gefasst und es zu einem gewissen Wohlstand gebracht haben und teils künstlerisch auf der Suche, also finanziell abhängig sind. Als Volker beruflich in Moskau zu tun hat, überredet ihn Helene, ein Kuvert mitzunehmen und es ihrem Ex Pavel persönlich zu überreichen. Volker ist zwar nicht begeistert, sagt aber zu. Vor Ort und nach einem kleinen Besäufnis kommt ihm die Erleuchtung: Pavel muss nach Wien geholt, er muss gerettet werden. Pavel ist nämlich Dissident im totalitären System und muss im Untergrund leben.
Vorbei die Zeiten der Bequemlichkeit, jetzt wird geholfen, jetzt sind wir richtig gute Menschen! - Die Situation ändert sich schlagartig, als am Wiener Bahnhof ein paar Wochen später Pavel mitsamt Partnerin Eugenia mitsamt ihrem Baby aus dem Zug steigen. Es wird nicht allzulange dauern, bis die Masken bröckeln.
Gleich während der Einstiegssequenz wird klar, dass in der heilen Welt unserer ProtagonistInnen längst Risse sind. Da gären Sinnkrisen und Überdruss hinter den lächelnden Gesichtern auf einer routiniert nonchalant abgehaltenen Party, auf der sich alle so prima verstehen... So oder so müssen solche Konstrukte zerbersten, das ist ein Gesetz des Lebens. Den Anstoß hierfür geben - Hand in Hand - Helene und Volker: sie als Erste mit einer größeren Geldspende, dann er mit seiner Idee, Asyl zu gewähren. Was keinem von ihnen klar zu sein scheint ist, dass Hilfe zu gewähren keine Krone ist, die man sich mal eben so aufsetzt, sondern gewisse Unannehmlichkeiten mit sich bringen kann. - Die Art, in der Johanna Moder in einem quälend langen und umständlichen Prozess all diese Verlogenheit und Falschheit demontiert, ist ohne Frage ein Geniestreich.
M.E. werfen wir mittels dieses Films einen Blick auf uns selbst, wie durch ein Vergrößerungsglas. Und die Regisseurin macht es uns nicht leicht, indem sie sich etwa der Überzeichnung oder platten Klamauks bediente. Bis zum Ende bleibt ihr Blick scharf, die Analyse nüchtern, der Ton angemessen deutlich. Dies ist selbstredend auch dem ausgesuchten, auf den Punkt spielenden Cast zu verdanken.
Geschichte um Moral und Integrität, um Fassaden und Lebenslügen; ein brandaktueller, dabei zeitloser und wichtiger Film. Absolutes Highlight!
cnm
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cinemoenti@email.de

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