BORGA

BORGA
Kinostart: 28.10.2021 | FSK 12
Eugene Boateng | ⓒ Chromosom Film GmbH




Deutschland, Ghana 2021
Genre: Drama
Länge: knapp 110 Min.
Regie: York-Fabian Raabe
Buch: York-Fabian Raabe, Toks Körner
Darsteller: Eugene Boateng, Jude Arnold Kurankyi, Prince Kuhlmann, Thelma Buabeng, Emmanuel Affadzi, Lydia Forson, Adjetey Anang, Christiane Paul u.v.m.
Kamera: Tobias von dem Borne
Schnitt: Bobby Good, Kaya Inan, Edd Maggs
Musik: Tomer Moked, Ben Lukas Boysen

Als Borga bezeichnet man Ghanaer, die es im Ausland zu Wohlstand, Status und Ansehen gebracht haben; Borga sind in Ghana Respektspersonen. Dass dies zunächst nur an der Oberfläche zutrifft, schildert dieser Film.
 
Zwei Brüder, Kojo und Kofi, wachsen in Ghanas Hauptstadt Accra auf einer Elektroschrott-Müllhalde auf. Sie sammeln den Schrott (genauer: unseren Wohlstandsmüll) und helfen ihrem Vater dabei, aus dem Metall Geld zu machen. Kojo lernt von Anfang an, was Chancenlosigkeit bedeutet, wird doch sein Bruder in jeder Hinsicht bevorzugt als der, der einmal die Geschäfte übernehmen soll. Kojos Traum, einmal selbst ein angesehener und geschätzter "Borga" zu werden, scheint unerreichbar. - Es braucht viele Jahr und eine enorme Leidensfähigkeit, bis er als Erwachsener, der sich durch Europa nach Deutschland gekämpft hat, diesem Ziel etwas näher kommt. Im Land seiner Sehnsüchte muss er jedoch erkennen, dass die Demütigungen hier in anderer, ähnlich schlimmer Weise fortgesetzt werden. Doch für eine Umkehr ist es zu spät; er will um jeden Preis, wie hoch der auch sei, sein neues Image vom wohlhabenden Macher aufrecht erhalten. Entscheidender Trost und Stütze ist dabei seine neue Liebe Lina, die er in einem Berliner Club kennenlernt. Es soll für ihn ein Leben voller Verstellung, Oppression und brennender Hoffnung sein.

Dies ist eine epische, eindringlich und authentisch erzählte Biografie, die einen ungewohnt schonungslosen Blick auf ein Schicksal erlaubt, das zwar keine Seltenheit ist, uns aber kaum je so konkret vor Augen geführt wird. Die Strahlkraft, die von diesem Film ausgeht, sucht ihres Gleichen, und nicht umsonst ist die Gesamtleistung bereits mit zahllosen Preisen bedacht worden. Es ist wahrlich erschütternd mitzuerleben, wie abartig hoch der Preis ist, den ein "Niemand" für seinen Aufstieg zu zahlen hat, und wie aus Ausgebeuteten irgendwann Ausbeuter werden können. Die Regie geht dabei höchst sensibel vor und zeigt eindrücklich die Zersplitterung von Familien und den Verlust geliebter Menschen als Folge der Missverhältnisse. - Dass bei all dem Elend letztlich noch eine Chance auf Menschlichkeit und echtes Glück (und das ohne Kitsch) eröffnet wird, ist in meinen Augen eine besondere Leistung. Randbemerkung: die auffallend heterogene Musikauswahl trägt und unterstreicht den Plot kongenial.

Superb differenzierte Arbeit zum Wohlstandsgefälle in der Welt und den Auswirkungen aufs Individuum. Zu Recht x-fach prämiert, absolut sehenswert. Empfehlung!

cnm
 
Eugene Boateng erhielt 2021 den Deutschen Schauspielpreis 
Max Ophüls Preis: Bester Spielfilm, Publikumspreis u.v.m.
www.borga-themovie.com
 
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