MEHR DENN JE
MEHR DENN JE ★★★★☆☆
Originaltitel: Plus que jamais | Filmstart: 01.12.2022 | FSK 12
Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Norwegen 2022
Genre: DramaLänge: rund 120 Min.
Regie: Emily Atef
Buch: Emily Atef, Lars Hubrich
Buch: Emily Atef, Lars Hubrich
Cast: Vicky Krieps, Gaspard Ulliel, Bjørn Floberg, Sophie Langevin, Valérie Bodson
Kamera: Yves Capes
Schnitt: Sandie Bompar, Hansjörg Weißbrich
Musik: Jon Balke
Kamera: Yves Capes
Schnitt: Sandie Bompar, Hansjörg Weißbrich
Musik: Jon Balke
Hélène und Mathieu waren bis hierhin ein glückliches Paar. Doch manchmal kommt das Leben dazwischen, und Hélène muss mit einer Diagnose (genauer: Idiopathische Lungenfibrose) leben, die ihre Lebensqualität zunehmend einschränkt. Auch die Prognosen sehen für sie nicht wirklich gut aus. Im Internet nach Orientierung suchend, begegnet sie einem Anonymen, der sich "Mister" nennt und sich mit Texten und Bildern zum Thema Lebensende auf eine Art äußert, die sie sofort in den Bann ziehen. Gegen den Willen von Mathieu reist sie allein nach Norwegen zu dem Fremden, logiert bei ihm - und findet eine neue Perspektive und ihren persönlichen Weg.
Es ist immer mutig und auf eine Art relevant, dieses schwierige Thema - das eigene Sterben - filmisch anzugehen, ein Thema, das vor allem in Deutschland für viele nach wie vor ein Tabu darstellt. Emily Atef hatte mit dem Thema innerfamiliär über Jahre Berührung und so die Möglichkeit, sich damit intensiv auseinander zu setzten. Ihre Botschaft: es gibt keine Tabus. Und keiner kann es für den Anderen wissen: was das Beste ist auf dem letzten Weg. Symptomatisch ist darum auch, dass die Figur Hélène eine Atemwegserkrankung hat, während sie ihr Leben ständig nach Freunden und Familie ausrichtete. Nun, da sie endlich radikal nein sagt und ihren ganz eigenen Weg geht, ist das Atmen auf eine ganz anderre, neue, befreiende Weise möglich. Es ist - nicht nur am Ende - der freie Wille, der zählt.
Kritisch anmerken möchte ich, dass mir persönlich der Film in der Wahl der Mittel zu "schön" war. Die Kleidung der beiden Hauptfiguren vom Feinsten, die Kulissen aufgeräumt-nostalgisch, die Bilder, das Licht, die sanfte Stimmung... Es mag die Intention der Regisseurin gewesen sein, das Thema aus der dunklen Ecke zu holen, doch fehlte mir bei dieser Machart die spürbare, tiefe Verzweiflung, die eine solche Situation eben auch bedeutet.
Entschlossener, achtbarer und klar reflektierender Film über eine der schwierigsten Entscheidungen im Leben der meisten Menschen.
cnm
Trauer und Hochachtung sei hier ausgesprochen für den Hauptdarsteller Gaspard Ulliel (geb. im November 1984, bereits mehrfach ausgezeichnet als vielvesprechender Schauspieler), der im Januar 2022 nach einem Skiunfall verstarb. Dies war seine letzte Rolle in einem Spielfilm.

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