LIVING - EINMAL WIRKLICH LEBEN

LIVING - EINMAL WIRKLICH LEBEN ★★★★☆☆
Originaltitel: Living | Filmstart: 18.05.2023 | FSK 6
Bill Nighy | © Sony Pictures Germany



Großbritannien 2022

Genre: Drama, Remake
Länge: rund 105 Min.
Regie: Oliver Hermanus
Buch: Kazuo Ishiguro
Nach: Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto, Hideo Oguni
Cast: Bill Nighy, Alex Sharp (II), Adrian Rawlins, Hubert Burton, Michael Cochrane, Anant Varman, Aimee Lou Wood, Zoe Boyle u.v.m.
Kamera: Jamie Ramsay
Schnitt: Chris Wyatt
Musik: Emilie Levienaise-Farrouch

London, 1953. Mr. Williams ist Verwaltungsangestellter in der städtischen Ordnungsbehörde - und das ist genau so langweilig, wie es sich liest. Die Tage gleichen einander wie tausend Kopien, lediglich die Kollegen (meist mit einer Frau pro Büro) bringen nach Kräften ein wenig Leben und Humor in die Tristesse. Williams hingegen ist unter ihnen gefürchtet als einer, der keinen Spaß versteht und der darauf achtet, dass alles seinen geordneten, vorgeschriebenen Gang geht. Zur Routine gehört übrigens auch, dass unangenehme Anträge (zum Beispiel für Kinderspielplätze - und nach dem Krieg hat man wahrlich besseres zu tun) nach einem freundlichen "wir kümmern uns" zu den Akten gelegt werden. Dann schenkt das Leben dem leblosen Mann einen Weckruf in Form einer eindeutigen medizinischen Diagnose. Angesichts seiner Endlichkeit erwacht in ihm die Sehnsucht nach echtem Leben, Freude und Bedeutung, nach etwas, das wirklich zählt. - Nachbau des Films Ikiru von Akira Kurosawa.

In erster Linie haben wir es hier mit einem vornehmen Film zu tun. Vornehm in der Form, vornehm in der Absicht. Und das mit allen Mitteln! Wer sich für Fotografie interessiert, sollte allein deswegen diesen brillant eingefangenen Stoff sehen - jedes Bild ist eine Augenweide, perfekt eingerichtet. Auch im schauspielerischen und dramaturgischen Gestus gibt sich diese Arbeit gediegen, sophisticated, sentimental. Hier strotzt es vor unterdrückter Menschlichkeit, die sich letztlich Bahn brechen will und soll. Eigentlich ein Film, der mir sehr gefallen sollte - warum hat es nicht funktioniert?
Ich meine, es liegt an der Regie, die den Stoff in allen wichtigen Belangen entschieden zu elegisch, zu breit interpretiert hat. Gerade der Schauspiel-Routinier Nighy (immerhin, er erhielt hierfür eine Oscar®-Nominierung!) gestaltet seine Rolle, als wate er durch Schlamm. Die Filmmusik pusht allzu beharrlich, was mit wenigen Akzenten sehr viel eleganter gewirkt hätte. Es kommt kein Tempo auf, kein Fieber, keine echte Not, keine spürbare Erlösung. Stattdessen versacken die guten Absichten in allzu schwerer Symbolik und Langsamkeit.

Living ist kein schlechter Film, aber dank seines geringen Tempos und betulichen Gestus' auch nicht die Perle, die er hätte sein können. Bei mir hinterließ er leider einen schalen Nachgeschmack.

cnm
 

Die erwähnte Vorlage zu diesem Film habe ich leider nicht gesehen.

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