DER MAGIER IM KREML

DER MAGIER IM KREML ★★★☆☆☆
Originaltitel: The Wizard Of The Kremlin | Start: 09.04.2026 | FSK 12
Jude Law, Paul Dano | © Constantin Film



Frankreich 2025
Genre: Thriller
Länge: 146 Min. (langer Film)
Regie: Olivier Assayas
Buch: Olivier Assayas, Emmanuel Carrère
Nach: Giuliano Da Empoli (Roman)
Cast: Paul Dano, Jude Law, Alicia Vikander, Tom Surridge, Jeffrey Wright Will Keen u.a.
Kamera: Yorick Le Saux
Schnitt: Marion Monnier
Musik: Nicolas Cantin, Nicolas Moreau, Gwennole Le Borgne, Sarah Lelu, Olivier Goinard

Dies ist die Geschichte von Wadim Baranow (fiktive Figur), dem "Königsmacher", einem extrem zurückhaltenden doch ambitionierten Choreograph der Wirklichkeit. Erzählt von ihm selbst während eines Interviews in der Retrospektive. Baranow begann als Künstler, als Regisseur für Bühnenevents, wechselte dann zum Fernsehen und stieg auf in die Politik, wo er mit dazu beitrug, dass Putin überhaupt der russische Präsident wurde. Bemerkenswert: Putin schlägt das Angebot zu Beginn aus, er habe nicht das Zeug für einen Präsidenten, sagt er. Doch es braucht nicht viel Überzeugungskraft, um ein Ja herbeizuführen. In den folgenden Jahren – so erinnert Baranow – ist der Magier ständig an der Seite des Mächtigen, lenkt und manipuliert, inszeniert und zieht sämtliche Strippen auf dem Weg Putins zum gefürchteten Machtbesessenen.

Eigenartig: mir schien zu Beginn, dass die Figur Baranow eher ein Laufbursche sei als ein gewiefter Manipulator. Das soll sich dann auch erst (und auch nur allmählich) ab der Filmmitte ändern. Baranow wird allmählich sicherer und einflussreicher, entdeckt das Internet als Machtinstrument der Zukunft, ersinnt perfide Strategien zur Manipulation von Menschen weltweit. Während signifikante politische Stationen wie wahlstrategische Einbußen (Kursk, 2000) oder vermeintliche Erfolge (Krim, 2014) aufgetan werden, beschleicht mich das Gefühl, dass ich nicht hinein finde in diese Erzählung. – Im Presseheft ist dann auch zu lesen, dass der Regisseur bei der Lektüre des Romans befürchtete, das Buch sei zu dialoglastig, um es filmisch umsetzen zu können. Dies Problem wurde m.E. nicht wirklich gelöst. Die Authentizität der Schauplätze, der cineastische Schauwert, ein solide gespieltes Figurenkabinett – das ist alles da, doch wirkt der Geschichte wie abgearbeitet, es fehlt auch nur der geringste Identifikations-Anker (wenn auch Dano bewundernswert eines Getriebenen, der beständig auf der Lauer ist, verkörpert), es fehlt ein fühlbarer Puls!

Damit verlasse ich das Kino einigermaßen ratlos: der Film war verblüffend kurzweilig, hat dennoch kaum Eindruck hinterlassen. Meine Begleitung – er hatte das Buch gelesen – war mit der Umsetzung zufriedener. Ich resümiere mal: dieses Projekt mit interessanter Prämisse gleicht eher einem etwas nüchtern geschriebenen Zeitungs-Essay über Machtdynamik. Für alle, die so etwas schätzen.

cnm 

Querverweis auf zwei Filme   KURSK    |   DER HELSINKI EFFEKT

Kommentare

Beliebte Posts der letzten 30 Tage

ALS WÄRE ES LEICHT

SILENT NIGHT - STUMME RACHE

BODIES BODIES BODIES

ONODA - 10.000 NÄCHTE IM DSCHUNGEL

THE LOST LEONARDO

MISSING

PETER VON KANT

LITTLE WOMEN (2019)

THE ART OF LOVE

NOUVELLE VAGUE